Wien, Mittwoch, der 24. Juni 2009:
Seit Montagnachmittag, nach meiner Kündigung in diesem Immobilienentwicklungsunternehmen in Wien, war ich zu Hause geblieben. Denn nun befürchtete ich für mich wieder das Schlimmste. Der Kühlschrank war noch voll, daher war dies auch nicht weiter ein Problem für mich.
Allerdings in solch einer kleinen Wohnung, welche ich nun in Alterlaa hatte, bekommt der Begriff, die eigenen vier Wände, eine ganz besondere Bedeutung. Denn, sieht man den ganzen Tag tatsächlich nur vier Wände, so ist dies doch sehr bedrückend. Es ist, als wäre man regelrecht eingesperrt. Zudem, wenn das einzige Fenster in den eigenen vier Wänden zudem auch noch den ganzen Tag mit den Jalousien verschlossen bleibt, hat sonst jeder der Nachbarn aus dem Haus gegenüber in jeden einzelnen Winkel des Zimmers Einsicht. Weshalb man die Jalousien auch gerne verschlossen hält. Allerdings bekommt man dabei auch kaum mit, wie gerade das Wetter so ist. Daher waren diese drei Tage mehr als bedrückend.
Daher beschloss ich, am folgenden Tag zurück nach Salzburg zu fahren. Aber zuvor wollte ich noch einmal abends in die Innenstadt gehen, nur um nachzusehen, wie nun die Stimmung mir gegenüber sei. Denn diese Kündigung, welche ich am Montag erhalten hatte, musste für „die“, meine „Freunde“, regelrecht ein Grund zum Feiern sein. Überall hätte ich nun erwartet, würde ich, egal wo auch immer ich hinkommen würde, nur mehr von feiernden Leuten umgeben sein, welche sich darüber kaputtlachen würden, da ich nun schon wieder meinen Arbeitsplatz verloren hatte.
Doch kaum kam ich am Abend in die Innenstadt, besuchte, wie üblich, diese Kneipe in der Schwarzenberg Straße, dieses „1516“, war von gut gelaunten, gar feiernden „Freunden“ überhaupt nichts zu sehen. Ganz im Gegenteil. Nun sah es fast so aus, als würden gerade jene, welche sich offenbar auf meine Seite geschlagen hatten, mit welchen ich allerdings nichts zu tun hatte, die regelrecht niederrennen wollen. Als wollten sie die nun deshalb, was sie nun schon wieder getan hatten, mich einfach grundlos, denn wirklich einen Grund hatten sie ja nicht, lediglich den Vorwand mit der Finanzkrise, welche nun zu Personal Reduktionen in diesem Unternehmen führen musste, hinausschmeißen, in Grund und Boden „reden“. Sie im „Gerede“ in der Gesellschaft regelrecht fertigmachen wollen.
Anfangs konnte ich es gar nicht glauben, was ich da nun in diesem Lokal miterleben konnte. Doch dann fiel mir ein, Ähnliches hatte ich schon die Male zuvor, als ich ebenfalls aus einem der Unternehmen, in welchen ich zuvor gearbeitet hatte, hinausgeworfen wurde, miterlebt. Jedoch keinesfalls derart intensiv. Schon 2005, als ich meinen Arbeitsplatz bei VA Tech in München verloren hatte, war solch ein Verhalten jener, welche sich offensichtlich auf meine Seite geschlagen hatten, zu erkennen. Jedoch eben einfach nicht so intensiv, wie nun. Ebenso im Februar 2006, sowie im Mai 2008. Aber ich hatte dies einfach nicht in dieser Weise wahrgenommen. Nun war dies jedoch deutlich erkennbar. Worüber ich zunächst richtig amüsiert war, mich dann sogar riesig darüber freute. Denn nun sah es so aus, als hätten sie den Bogen einfach überspannt.
Allerdings hatte ich zu niemanden dieser „Anderen“, welche nun zu erkennen waren, Kontakt, daher blieb mir nichts anderes übrig, als dies einfach zur Kenntnis zu nehmen. Jedoch in der Hoffnung, in den nächsten Wochen vielleicht doch Kontakt zu solchen Leuten aufbauen zu können, damit ich sie nicht nur mit weiteren Informationen darüber, was sich in solch einem Unternehmen abspielt, zu versorgen, damit sie „die“ noch viel besser in Grund und Boden „reden“ könnten. Sondern auch in der Hoffnung, nun vielleicht endlich aus meiner Isolation herauszukommen und von dieser Stimmung, welche sich nun verbreitete, auch selbst profitieren zu können. Schließlich ist ein Leben, wenn man nur mit „denen“ zu tun hat, nicht gerade einfach und schon gar nicht aufregend. Ganz und gar nicht. Es hatte schon auch einen Grund, weshalb ich mich von ihnen stets deutlich distanzierte. Denn, ehrlich gesagt, sie sind nicht auszuhalten und eine unmögliche Gesellschaft. Weshalb ich auch stets sofort, hatte ich bei einer Frau erkennen müssen, dass sie selbst Teil dieses Unwesens ist, die Finger davon gelassen.
Auch als ich danach noch diese amerikanische Bar in der Krugerstraße besuchte, war es ähnlich. Nichts mehr mit verächtlichen Bemerkungen des Barchefs, den ich „den Mohr von Wien“ getauft hatte, als ich das Lokal betreten hatte. Er mied mich nun regelrecht. Wobei andere Gäste, wobei sich die Anzahl derer doch in Grenzen hielt, mir beinahe regelrecht auf die Schulter klopfen wollte. Als wollten sie mir sagen, nun sei es vorbei mit „denen“.
Nun sah es tatsächlich so aus, als würde sich das Blatt endlich wenden. Daher blieb ich auch entsprechend entspannt bis spät am Abend in der Innenstadt und genoss dies regelrecht. Ja selbst am Nachhauseweg mit der U-Bahn war dies ähnlich. Daher war ich plötzlich wieder guter Dinge. Dachte sogar darüber nach, ob ich am folgenden Tag auch tatsächlich zurück nach Salzburg fahren und nicht vielleicht doch noch länger in Wien bleiben sollte.
(2021-10-18)