Frankfurt, Montag, der 30. Juli 2018:
Am Abend hatte ich mich wieder in den Garten des Chinesen am Riedbergplatz gesetzt. Es war einfach viel zu heiß, um weiter zu schreiben.
Wien immer setzte ich mich dabei an einen der äußersten Tische im Garten des Lokals, denn irgendwie irgendwo dazugehören, das wollte ich ohnedies nicht – auch nicht einmal den Eindruck dazu erwecken. Kaum war ich die Treppe zum Riedbergplatz hochgegangen und mich an meinen Tisch gesetzt, meinte ein Mann, welcher gerade am Gehsteig vor dem Platz vorbei ging,
„jetzt reicht`s ihm!“
Wobei mir zwar nicht ganz klar war, was er damit meinte. Aber schon das ganze Wochenende habe ich mich mit dem Gedanken herumgeärgert, nun doch noch eine Anzeige zu verfassen. Wobei ich dies eigentlich vermeiden wollte, denn dafür war ich bei weitem noch nicht so weit, mit meinen Schilderungen. Schon gar nicht mit eventuellen Analysen dessen, was ich hier alles erlebe.
Als hätte ich es mir allerdings gedacht, war an diesem Tag wieder nichts geschehen. Liefen die Tage zuvor noch einige Männer umher und redeten stets davon, nun, sobald ich etwas hätte, würde etwas geschehen. Aber es war wieder nichts! Daher dachte ich mir, so, wie es derzeit ist, kann es ohnedies nicht weiter gehen, daher schreibe ich nun all das, was ich derzeit erlebe zu einer Anzeige zusammen, denn ich kann so ohnedies nicht mehr lange weiterarbeiten. Wie auch! Unter solchen Umständen ist man nicht mehr in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen. Daher, wie sollte ich unter solchen Umständen all das, was ich erlebe, so beschreiben, dass jeder, der vielleicht noch nie etwas davon gehört, oder mitbekommen hat, dies nachvollziehen kann, dies auch noch analysieren und in eine strukturierte Form bringen und zudem auch noch, all jene Projekte, welche ich derzeit erlebe, erlebt habe, im Detail schildern und auch noch auswerten.
Daher war mir klar! Es muss etwas geschehen, denn so kann es nicht weiter gehen! Also fasste ich den Entschluss, noch einmal eine Anzeige zu verfassen. Wobei, so etwas schreibt sich nicht so einfach. Denn schließlich geht es dabei nicht um einen einzelnen Fall, etwas, wo jemand etwas angestellt hat und es gilt, dies zu melden, sondern um ein ganzes System, welches zwar, so scheint es zumindest, auch bekannt ist, allerdings offensichtlich bisher nicht die entsprechende Bedeutung, oder Bearbeitung, erfahren hat. Zudem geht es auch nicht um eine Anzeige, welche an die nächste Polizeidienststelle gesendet werden soll, sondern um etwas mehr. Zudem, schon die ganzen letzten Wochen hatte ich immer wieder zu hören bekommen, es würde eben einmal jemanden brachen, welchem es einfach reicht mit denen und dies zur Anzeige bringt. Offensichtlich hatte dieser Mann, welcher am Gehsteig vor dem Platz vorbei ging, nun auch gedacht, ich wäre nun so weit. – Was ich eigentlich längst schon war. Allerdings fehlten mir dazu noch viele meiner Beschreibungen, welche ich vorhatte, der Anzeige mit bei zu legen, um klarzustellen, hier handelt es sich nicht um einfach ein paar Leute, welche es einfach ein wenig übertreiben, sonst aber „in Ordnung“ sind, sondern hier etwas ganz groß faul ist!
Daher setzte ich mich eben an diesem Abend in den Garten des Chinesen am Riedbergplatz und grübelte, wie ich dies nun angehen soll. Nachdem ich, wie üblich an solch einem Abend, zwei Weißbiere getrunken hatte, mehr wollte ich auch nicht und das Lokal, wie üblich, bereits kurz nach zehn Uhr abends zu schließen begann, ging ich wieder zurück in meine Zelle, um an der Anzeige zu schreiben zu beginnen. Mittlerweile war es zudem auch etwas kühler geworden, sodass ein Arbeiten am Rechner wieder halbwegs möglich geworden ist.
Nun begann ich also an meiner Anzeige zu schreiben. Begann zu schildern, wie ich überhaupt dazu komme, so etwas zu schreiben, mich überhaupt mit diesem Thema zu beschäftigen, denn, eines wollte ich auf keinen Fall, den Eindruck erwecken, als hätte ich mich selbst in eine Situation manövriert, aus der ich nun keinen Auweg mehr sah. Dies ist ja auch keinesfalls so!
Ich war eigentlich selbst überrascht, wie einfach es dann doch für mich war, dies zu schreiben, und kaum hatte ich die ersten Zeilen geschrieben, wobei, in gut einer Stunde waren gut zwei Seiten geschrieben, ließ ich es für diesen Abend sein, denn auch eines wollte ich auf jeden Fall vermeiden, dies emotional zu schreiben. Zudem an einem Abend würde sich dies ohnedies nicht schreiben lassen, wollte ich doch nun alles einmal ansprechen, was ich derzeit erlebe. Und dafür hatte ich dann doch gut eine Woche eingeplant.
Gegen zwei Uhr morgens ließ ich meine Arbeit für den Tag sein und legte mich ins Bett, um zu schlafen, denn schließlich müsste ich ja am nächsten Morgen wieder in die Arbeit gehen, ohne den Eindruck zu erwecken, dass etwas sei!
(2019-06-05)