„Von so etwas darf keiner profitieren!“
Freilassing, Sonntag, der 26. Jänner 2014:
Und wieder einmal war ich mit dem Zug auf dem Rückweg aus dem Wochenende von Wien nach Stuttgart unterwegs. Alleine schon aus Kostengründen hatte ich mir die Zugfahrt mit dem Railjet 66 von Wien, welcher dort um halb 5 Uhr am Nachmittag abfuhr, bis nach München gespart. So fuhr ich nun meist mit diesem Zug lediglich bis Salzburg, wartete dort eine knappe dreiviertel Stunde auf den EC 110, welcher aus Klagenfurt kommt, um mit diesen weiter nach München zu fahren und dort danach den IC 2090 nach Stuttgart zu nehmen. Aus Kostengründen deshalb, da ich mir dabei den ICE-Zuschlag für den RJ von Salzburg bis München sparte und lediglich den Tarif für einen IC bezahlen musste.
Also wartete ich auch an diesem Tag wieder in Salzburg, um mit den IC 110 nach München weiter fahren zu können. – Irgendwie war mir dieser Zug auch sympathischer als dieser meist ohnedies restlos überfüllte RJ. Kurz vor 8 Uhr am Abend stieg ich dann auch in diesen Zug ein. Wie meist saß ich in einem der letzten Waggons, da hier meist noch freie Sitzplätze zu finden waren. Ich saß in einem dieser Großraumwaggons, dieser alten IC-Züge der ÖBB, welche eigentlich viel gemütlicher sind, als ein RJ-Waggon.
Dieser Zug fährt nicht weit ab Salzburg, da bleibt er schon wieder stehen, denn er hält eben auch in Freilassing. Dort stiegen zu dieser Zeit dann auch meist die Fremdenpolizisten ein, um die Passagiere zu kontrollieren. So auch an diesem Tag. Und kaum blieb der Zug im Bahnhof Freilassing stehen, da stiegen auch schon zwei Mann in diesen Zug ein, welche auch als Polizisten zu erkennen waren. Zudem, wer öfters mit dem Zug von Salzburg nach München unterwegs ist, der lernt irgendwann auch beinahe alle Fremdenpolizisten dieser Region kennen. Wahrscheinlich waren es noch mehrere, welche die Passagiere dieses Zuges, ohnedies meist stichprobenartig, kontrollierten. Wir leben ja im EU-Schengenraum! Aber zwei stiegen eben genau in jenen Waggon ein, in welchem auch ich saß. Und kaum betraten diese beiden Männer der Waggon, da war direkt am Beginn des Waggons, ich saß am rückwertigen Ende, eine Frauenstimme zu hören, die da völlig entsetzt meinte,
„überlegt einmal was Ihr da tut mit dem?“
Da meinte einer der beiden Polizisten in Zivil,
„von so etwas darf keiner profitieren!“
Nun hatte ich schon die Wochen zuvor öfters solche Dialoge vernommen. Daher hatte ich auch schon die Wochen zuvor immer aufgepasst, was im Zusammenhang mit diesen Dialogen geschieht. Und leider ist mir dabei eines aufgefallen, es waren immer wieder solche Männer, welche man beinahe unausweichlich der Fremdenpolizei zuordnen musste, welche sich regelrecht abfällig über jenen, welcher nun offensichtlich eine Anzeige, einen Hinweis, über dieses Unwesen erstattet hatte. Dies war nun einmal ich. Dabei ist der Ausdruck „abfällige Bemerkungen“ äußerst milde, denn jener, welcher diesen Hinweis gegeben hatte, wurde dabei regelrecht niedergemacht! Und eines fiel mir auch schon die Wochen zuvor auf, sehr viele der Zugpassagiere reagierten darauf regelrecht entsetzt. Dabei waren dies alle Menschen, mit welchen ich eigentlich zuvor noch nie etwas zu tun hatte, denn ich kannte sie überhaupt nicht. Ich hatte zudem seit 2010, also seit jener Zeit, in der ich über die Woche zur Arbeit nach Deutschland pendle, noch nie einen mir bekannten Menschen getroffen.
Daher scheibe ich dies deshalb nieder und bin darüber auch unvorstellbar dankbar und beinahe auch stolz über die Anteilnahe von mir gänzlich fremden Menschen an meinem Schicksal. Ich schreibe es auch deshalb nieder, denn ich hoffe, diese Menschen lesen dies eines Tages und erinnern sich daran. Diese Menschen wollten mir einfach nur helfen, da sie eben erkannten, mir wird grenzenloses Unrecht zu Teil und waren darüber entsetzt.
Aber, dieser Mann meinte, niemand dürfe an solch einem Hinweis profitieren. Und ich würde ihm und all jenen, welche diese Doktrin ausgaben, gerne mitteilen, ich hatte überhaupt niemals vor, davon zu profitieren! Ganz im Gegenteil. Ich wollte lediglich endlich zu einem halbwegs normalen Leben zurück kehren. Denn die 15 Jahre zuvor waren von einem einzigen Überlebenskampf meinerseits geprägt und nun war ich in die Hölle auf Erden geraten. Und da meinte dieser Mann tatsächlich, niemand dürfe davon profitieren, deshalb sei es angebracht, auf jenen los zu gehen, der der Urheber dieses Hinweises war. – Ich hätte dies gar nicht miterlebt, hätte ich mir nicht die 2,50 Euro ICE-Zuschlag für den RJ ersparen – eigentlich müssen – und deshalb diesen IC 110 genommen.
…
Ich höre an dieser Stelle für eine Pause zu schreiben auf, denn sonst werde ich ausfällig!
(2018-05-15)