Salzburg, Dienstag, der 7. April 2009:
Nach der wöchentliche Baubesprechung am Dienstag um 10:00 Uhr bei unserem Projekt für den Neubau eines Hotels in Linz verbrachte ich, wie gewöhnlich, mit meinem Kollegen Stjepan M. den restlichen Tag auf der Baustelle. Danach ging es noch in ein Lokal eine Kleinigkeit essen, weshalb ich erst mit einem der letzten Züge, es war der Zug von Wien nach Venedig, an welchem auch gewöhnliche Waggons als IC-Zug angehängt sind, nach Salzburg in meine Wohnung zurückkehrte, um am nächsten Morgen, gleich um 7:00 Uhr mit dem Zug wieder nach Linz zurückzufahren, da unser Projektleiter Markus L. stets am Mittwoch, gleich um 8:00 Uhr eine interne Besprechung bezüglich des Projektes angesetzt hatte. Da erschien ich zwar meist ein paar Minuten später, denn der Zug von Salzburg nach Linz kam erst um 8:00 Uhr in Linz an und danach musste ich noch die paar Meter mit der Straßenbahn fahren, um wieder auf die Baustelle zu kommen. Worin er das Problem sah, wenn ich an diesen Tagen ein paar Minuten später im Baucontainer erschien, erschloss sich mir nie. Allerdings vermutete ich, ihn würde es stören, dass mein Kollege Stjepan M. die Nacht über in Linz blieb und ich in meine Wohnung nach Salzburg zurückfuhr. Aber dies war mir, ehrlich gesagt egal, denn selbst im Unternehmen kam dies gar nicht schlecht an, waren doch die Zugfahrten von Linz nach Salzburg und wieder retour günstiger als die Übernachtungen von Stjepan M., auch wenn er sich dabei stets die günstigste Übernachtungsmöglichkeit aussuchte.
Nun kam ich an diesem Tag, kurz nach 23:00 Uhr in Salzburg an, ging den Rest des Weges vom Hauptbahnhof zu meiner Wohnung zu Fuß, weshalb ich dort erst gegen Mitternacht ankam. Dort sah ich noch eine Weile fern, denn gleich schlafen zu gehen, das brachte nichts, denn sofort eingeschlafen wäre ich ohnedies nicht.
Kurz vor 1:00 Uhr nachts verschwanden dann allerdings noch einige Gäste im Lokal, direkt unter meiner Wohnung, worüber ich doch mehr als verwundert war, denn schließlich schließt dieses Lokal um 1:00 Uhr. Daher sah ich auch nach, wer denn dies sein könnte. Anfangs dachte ich mir noch nicht viel dabei, denn ich nahm an, sie würden andere Gäste, vielleicht auch Bedienstete des Lokals abholen. Auch wenn ich etwas darüber irritiert war, hatten doch einige große Taschen und Koffer mit dabei.
Doch als ich mich danach ins Bett legte, schließlich musste ich am folgenden Tag wieder früh aufstehen, begann plötzlich lautstark Blasmusik zu spielen. Dies in einer Lautstärke, dass es mich beinahe aus dem Bett geworfen hätte. Ein Ständchen nach dem anderen spielten sie. Immer wieder begleitet mit kurzen und längeren Pausen, als wäre nun endlich Ruhe. Doch sie begannen immer wieder zu spielen. Daher war an Schlaf überhaupt nicht zu denken.
Schließlich wurde es mir kurz vor 2:00 Uhr zu blöd und ich rief die Polizei wegen Ruhestörung im Lokal unter mir an, Worauf mir eine freundliche Beamtin mitteilte, sie würden jemanden vorbeischicken, der nachsieht. Nun lief ich in meiner Wohnung hin und her, blickte immer wieder zum Fenster hinaus, um zu sehen, was denn nun geschieht, denn an Schlaf war ohnedies nicht zu denken. Doch dann kam endlich ein Polizeiauto angefahren und hielt vor dem Lokal, worauf es schlagartig mucks Mäuschen still war. Die beiden Beamten schienen allerdings nichts erkennen zu können im Lokal. Einer meinte zudem,
„das ist nichts! Da ist niemand drinnen!“
Daher fuhren sie wieder davon.
Nun dachte ich mir, endlich wäre Ruhe, denn im Lokal unter mir schien man es mitbekommen zu haben, als die Polizei vorfuhr. Doch kaum hatte ich mich wieder ins Bett gelegt, begann diese musikalische Künstlertruppe erneut ein Ständchen nach dem anderen zu spielen, Es ging weiter, wie schon zuvor.
Mittlerweile war es halb drei Uhr morgens geworden und mir wurde es wieder zu bunt. Daher rief ich noch einmal die Polizei an. Worauf mir die Beamtin am Telefon mir zunächst erzählte, sie hätten bereits einen Wagen vorbeigeschickt, allerdings wäre dort nichts zu erkennen gewesen, weshalb die Beamten wieder davonfuhren. Nun erzählte ich der Beamtin, all dies hätte ich auch mitverfolgt, denn schließlich wohne ich genau über diesem Lokal, aber kaum waren die beiden Polizisten wieder weggefahren, begann das Konzert erneut. Worauf mir die Beamtin versicherte, sie würden noch einmal einen Wagen vorbeischicken, denn schließlich hätten sie auch von anderen Anwohnern bereits Beschwerden darüber erhalten.
Mittlerweile war es drei Uhr morgens geworden, als erneut ein Polizeiauto angefahren kam. Die Beamten stiegen wieder aus und schon wieder war es plötzlich mucks Mäuschen still geworden im Lokal unter mir. Nun wollte ich mich schon anziehen, um zu den beiden Beamten hinuntergehen und ihnen erzählen, was ich hier ertragen muss, damit diese nicht wieder unverrichteter Dinge abfahren. Doch dann meinte ein Beamter, der mit einer Taschenlampe ins Lokal leuchtete,
„doch“ Da ist doch wer drinnen!“
Worauf die beiden Beamten die Anwesenden im Lokal aufforderten, die Tür zu öffnen, was dann auch endlich geschah.
Was sich danach im Lokal abspielte, konnte ich natürlich nicht mitverfolgen. Danach war allerdings endlich Ruhe eingekehrt und ich von einem weiteren Konzert verschont! Endlich fand ich dann auch Schlaf. Ich hoffte noch, dies wäre das letzte Mal gewesen, dass ich wegen dieses Lokals unter mir kaum Schlaf in der Nacht finden würde. Denn schließlich war dies nicht das erste Mal. Wenige Tage später erfuhr ich, es handelte sich um eine kleine Blaskapelle aus Wals, welche meinte, hier nachts zu später Stunde ihre musikalischen Künste zum Besten geben zu müssen.
Wie geplant kam ich dann trotzdem am nächsten Morgen kurz nach acht Uhr im Baucontainer auf unserer Baustelle in Linz am Hessenplatz an. Dort hatte ich erwartet, ich würde wieder unangenehme Äußerungen von unserem Projektleiter hinnehmen müssen, da ich schon wieder zu spät gekommen wäre. Aber, siehe da, ich war der einzige, welcher am Morgen auf der Baustelle von unserem Unternehmen anwesend war. Bis 9:00 Uhr stand ich vor verschlossenen Türen an den Baucontainern! Als hätte jemand erst gar nicht erwartet, dass ich an diesem Morgen, „pünktlich“ wie immer, erscheinen würde!
(2020-02-06)