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Der Tag der großen Abnahme im Hotel am Hessenplatz

Donnerstag, 30. April, 2009Sonntag, 19. September, 2021
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Der Tag der großen Abnahme im Hotel am Hessenplatz
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Linz, Donnerstag, der 30. April 2009:

Nun war der Tag der großen Abnahme des schlüsselfertigen Hotels durch den obersten CTO der Hotelkette gekommen. Schon am frühen Morgen, ich glaube, es war neun Uhr, sollten wir alle parat stehen, um an dieser Abnahme teilzunehmen. Mein Kollege, Stjepan M. von der Haustechnik, die beiden Kollegen von der Bautechnik, aber vor allem unser Chef bei diesem Projekt, der Niederlassungsleiter dieses Immobilienentwicklungsunternehmens in Linz, Markus L. Längst war klar, dass am 1. Mai das Hotel nicht in Vollbetrieb gehen würde, sondern erst einmal eine Phase des Soft Openings, wie dies bezeichnet wurde, beginnen sollte. In welcher das Hotel einfach aufgesperrt wird und jeder Gast, welcher zufällig vorbeikommt, ein Zimmer sucht, etwas zu Essen oder Trinken haben möchte, entsprechend bedient wird. Mehr allerdings nicht. Denn die richtige Eröffnung des Hotels sollte erst zu Pfingsten erfolgen.

Ich konnte dieser Abnahme ohnedies ganz gelassen entgegen sehen, denn meine Anlagen, all die Anlagen, welche ich zu betreuen hatte, waren rechtzeitig fertiggestellt worden. Zwar nicht restlos mängelfrei, das war auch nicht zu erwarten, aber es gab keine wesentlichen Mängel und vor allem, es funktionierte alles. Dabei ging es bei mir nicht nur um die gesamte Elektroinstallation mit den stark- und schwachstromtechnischen Anlagen im Hotel, sondern auch um die Audio-Visuellen-Medien in den drei Konferenzräumen, welche zuvor nicht geplant waren und ich deshalb mit dem ausführenden Unternehmen erst selbst noch eine Planung aufstellen musste. Zudem auch um die gesamte Netzwerktechnik. Dabei aber nicht nur um die Netzwerkverkabelung, sondern auch um alle aktiven Komponenten, welche für den Betrieb des Netzwerkes erforderlich sind. Sowie die Serveranlage, mit der Anschaltung an die Zentrale in Brüssel, alle Rechner der Mitarbeiter im Hotel, mitsamt aller erforderlichen Software dafür, die Hotelsoftware, das Kassensystem, die Telefonanlage, die Musikanlage, sogar mit der Anschaltung an die Zentrale des Providers zur automatischen Aktualisierung der Musik etc. Kurz gesagt, so gut wie alles, was mit Strom funktioniert. Und all dies funktionierte auch noch. Ich war beinahe stolz auf mich. Somit sah ich auf mich einen relativ entspannten Tag zukommen.

Etwas anders sah es da schon bei meinem Kollegen der Haustechnik aus. Zwar waren seine Anlagen auch alle fertiggestellt worden. Jedoch war die Küche nur teilweise benützbar, da diese durch diverse Undichtheiten in der Rohrinstallation beinahe unter Wasser gesetzt worden wäre, als die Sanitärinstallation Tags zuvor in Betrieb genommen wurde. Aber auch einige Gebläse Konvektoren in den Gästezimmern waren undicht, als diese in Betrieb genommen worden waren. Weshalb die Zimmer in zwei von sechs Stockwerken nicht benützbar waren.

Ganz anders sah es allerdings im Bereich der Bautechnik aus. Denn hier war zwar im Gebäude beinahe alles fertiggestellt worden, nicht allerdings im Außenbereich. Gerade im Innenhof sah es noch aus, wie auf einer Baustelle. Schließlich fuhr auch noch der Bagger gerade dort umher, um die Außenanlage herzustellen, wo eigentlich schon die Terrasse des Restaurants betriebsfertig hergestellt sein sollte. Mich wunderte die Gelassenheit, die Sorglosigkeit von Markus L. diesbezüglich, der ja nicht nur letztendlich dafür verantwortlich wäre, sondern selbst als Bautechniker dies auch direkt zu verantworten hatte. Aber dies kümmerte ihn relativ wenig, weshalb ich schon gespannt war, wie diese Abnahme nun an diesem Tag ausgehen werde.

Es dauerte dann bis fünfzehn Uhr, als endlich der CTO aus Brüssel im Hotel eingetroffen war. Doch nun kam es zu keiner Abnahme, wie es zu erwarten gewesen wäre, bei welcher gemeinsam das gesamte Objekt abgeschritten wird und dabei etwaige Mängel aufgelistet werden, welche im Anschluss an die Begehung in einem Protokoll festgehalten werden. Sondern der CTO schien ohnedies längst bestens darüber informiert zu sein, wie es im Hotel aussieht. Was auch nicht weiter verwunderlich war. Denn schließlich war zwar der größte Teil des Hotelpersonals beim Immobilienentwicklungsunternehmen angestellt, allerdings war das gesamte Hotelpersonal durch die gemeinsame Führung des Hotels durch die Hotelgruppe und dem Immobilienentwicklungsunternehmen auch der Hotelgruppe unterstellt, wie eben auch der neue Hoteldirektor. Weshalb der CTO, im Anschluss an ein ausführliches Gespräch mit dem neuen Hoteldirektor lediglich alleine durch das Hotel schritt und sich noch selbst über den Stand informierte.

Wobei mich eines wirklich erfreut hatte, als er extra zu mir gekommen war und lobend anmerkte, dass alle Anlagen im Bereich der Elektrotechnik einwandfrei funktionieren würde.

Etwas anders sah es da allerdings wieder im Bereich der Haustechnik aus. Denn die doch nicht unerheblichen Wasserschäden im Haus schienen ihm gar nicht zu gefallen. Weshalb er hier noch hohen Arbeitsaufwand sah, damit wenigstens alle Undichtheiten behoben werden, damit der Betrieb des Hotels ab morgen nicht gefährdet wäre. Was dann auch durch das Haustechnikunternehmen weitgehend behoben werden konnte. Jedoch blieben doch etliche Zimmer für den Betrieb bis auf weiters geschlossen.

Ganz anders sah es allerdings dann im Bereich der Bautechnik aus. Denn als der CTO den Bagger auf der eigentlich längst hätte fertiggestellt sei sollenden Terrasse vor dem Restaurant sah, hatte er sofort einen Betrieb des Restaurants im Soft Opening untersagt, denn es wäre keinem Gast zumutbar, im Restaurant zu speisen, wenn vor dem Fenster auf der Terrasse noch ein Bagger umher fährt.

Dies hatte nicht nur für erhebliche Heiterkeit unter den Kollegen gesorgt, sondern auch für erhebliches Stirnrunzeln bei Markus L. Denn so unbedeutend, wie er dies bisher stets abgetan hatte, schien dies doch nicht zu sein. Schließlich war somit ein Großteil des zu erwartenden Geschäftes im Soft Opening, das Restaurant, geschlossen. Nebst der Heiterkeit unter den Kollegen des Hotelpersonals, welche sich in rasender Eile durch die Stadt unter anderen Kollegen der Branche verbreitete. Somit auch der Blamage, welche damit für Markus L. als Verantwortlichen für die rechtzeitige schlüsselfertige Fertigstellung des Hotels verbunden war.

Was mich allerdings an diesem Tag noch einmal sehr freute war, als der CTO, es war schon um die zwanzig Uhr geworden, noch einmal extra zu mir gekommen war, um mir mitzuteilen, er hätte doch noch einen Fehler in den elektrotechnischen Anlagen entdeckt, denn das WLAN in den Gästezimmern würde in zwei Geschoßen, im zweiten und dritten Obergeschoß, nicht funktionieren. Ich allerdings kannte ich den Fehler, welcher dafür verantwortlich sein musste, sofort und konnte ihm schon nach einer viertel Stunde die Behebung des Fehlers mitteilen. Worauf dieser sich mit dem Hoteldirektor unterhielt und zu ihm meinte, mit dem, also mir, könnte man so etwas durchziehen, denn der hat seine Aufgaben im Griff.

Bis spät am Abend saß der CTO noch mit Markus L. an einem Tisch im Restaurant und verhandelten darüber, wie es nun mit dem Restaurant weitergehen soll. Wobei dann auch doch noch ein Abnahmeprotokoll verfasst wurde, worüber Markus L. gar nicht erfreut war.

Das schien wohl noch eine längere Nacht zu werden, als ich mich dann gegen Mitternacht verabschiedete und mit dem letzten Zug nach Salzburg zurück in meine Wohnung gefahren bin. Zumindest für meinen Kollegen der Haustechnik, Stjepan M., denn die Wasserschäden mussten noch bis am folgenden Morgen behoben werden. Er ahnte dies offenbar schon, denn für diese Nacht hatte er noch ein Zimmer reserviert. Aber auch für Markus L., denn der CTO ließ ihn scheinbar nicht so schnell gehen.

Für mich schien nun ohnedies eine relativ entspannte Zeit bei diesem Projekt anzubrechen. Denn für mich galt es nun, in den folgenden Tagen und Wochen mich um die Mängel in der Elektrotechnik und deren Abarbeitung und Beseitigung zu kümmern. Morgen, noch dazu am Feiertag, hatte ich jedenfalls schon einmal frei. Im Gegensatz zu meinen Kollegen.

Jedoch war ich gespannt, wie sich dieser Tag nun auf die weitere Zusammenarbeit im Unternehmen mit den Kollegen auswirken würde. Wollte doch Markus L. auch die Kollegen zu seiner sorglosen Sicht der Dinge bewegen. Was ihm, ausgenommen bei mir, auch weitgehend gelungen war. Allerdings war trotzdem der Ton innerhalb der Mannschaft deshalb in den letzten Wochen, vor allem aber in den letzten Tagen ziemlich rau geworden. Allerdings trotzdem stets sachlich. Nun musste Markus L. erleben, dass seine Sicht wohl doch nicht so gut angekommen war. Schon gar nicht beim obersten CTO der Hotelkette.

(2021-08-05)

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