Salzburg, Donnerstag, der 2. Februar 2006:
Diesmal blieb mir tatsächlich auch nichts anderes übrig, als mich beim Arbeitsmarkt Service arbeitslos zu melden. Denn, obwohl ich mich die ganze Zeit über, in der ich bei MCE BIS in Wien beschäftigt war, um eine andere Stelle bemüht hatte, blieb letztendlich auch von den Bewerbungen mit den besten Aussichten auf eine neue Stelle nichts übrig.
So fasste ich mir an diesem Morgen ein Herz und begab mich zum AMS in die Auerspergstraße in Salzburg. Dort hatte ich offensichtlich auch eine gute Zeit erwischt, um mich arbeitslos zu melden, denn ich musste auch nicht lange warten, um zur Registrierung bei meiner nun künftigen Betreuerin aufgerufen zu werden.
Artig gab ich bei ihr all meine Daten bekannt, meine Kenntnisse und meine bisherige Berufserfahrung, aber auch das Gebiet, in welchem ich nun eine neue Stelle suchte. Wobei ich dabei neben Wien auch Salzburg und meine alte Heimat angegeben hatte, denn weshalb sonst würde ich hier auch noch in Salzburg meinen Hauptwohnsitz haben.
Doch eines hatte mich bei dieser Meldung zur Arbeitslosigkeit regelrecht beunruhigt. Denn meine künftige Betreuerin wollte auch gleich meine Eigentumsverhältnisse wissen. Wobei ich sie regelrecht aufgeschrocken fragte, ob denn dies überhaupt notwendig sei. Diese darauf aber meinte,
„noch nicht! Aber wenn sie nun zu lange arbeitslos sind, dann sehr wohl! – Reden wir dann noch einmal darüber, wenn es soweit ist!“
Richtig irritiert war ich darüber. Obwohl mir schon bewusst war, dass dies, sollte ich zu lange arbeitslos sein und ich als sogenannter Langzeitarbeitsloser gelte, der dann allerdings Notstandshilfe bezieht, erforderlich sein würde. Doch dies klang, als würde meine Betreuerin dies bereits erwarten!
Zunächst war ich noch nicht weiter beunruhigt. Weshalb ich mir sogar dachte, ich hätte mich bereits nach Beendigung meiner Beschäftigung bei VA Tech arbeitslos melden sollen und nicht sofort bei MCE BIS zusagen. Denn nach all dem was ich dort nun erleben musste, wäre dies wohl die bessere Alternative gewesen. Doch im Nachhinein ist man eben immer gescheiter. Diese fünf Monate bei MCE BIS hätte ich mir einfach sparen können. War es auch nicht so, dass ich hier einfach nur das Gleiche erlebt hatte, wie zuvor bei VA Tech, so wie ich es in den ersten Tagen, als ich bei MCE gearbeitet hatte, vernehmen musste. Sondern dies war wie ein Punkt auf dem i obendrauf. Ganz nach dem Motto, der ist immer noch nicht erledigt, dann setzen wir eben noch richtig eins drauf!
Jedoch diese seltsame Art der Frage nach meinen Eigentumsverhältnissen blieb bei mir im Hintergedanken einfach stecken.
Noch am selben Tag trudelten schon die ersten Stellenausschreibungen vom AMS ein, auf welche ich mich bewerben sollte. Allerdings hatte ich zunächst darauf gar nicht reagiert, als wäre ich noch in Schockstarre, darüber was mir nun bei MCE in Wien widerfahren war.
Drei Stellenausschreibungen erhielt ich an diesem Tag. Welche zwar auf den ersten Blick sogar recht vielversprechend aussahen. Sich jedoch bei näherer Betrachtung nicht gerade als besonders erfolgsaussichtig herausstellten.
Denn da war zunächst eine Stellenausschreibung als Projektleiter in einem Ingenieurbüro in Wien. Was grundsätzlich nichts Negatives für mich darstellte. Jedoch handelte es sich dabei genau um jenes Ingenieurbüro, welches bei dem Projekt MCC die Bauüberwachung für die gesamte Haustechnik, also auch über die Elektrotechnik im Auftrag hatte.

Und bei dieser Stellenausschreibung begann ich schon nachdenklich zu werden, ob ich denn nun überhaupt noch eine Chance hatte, einen neuen Job zu erhalten. Denn nur eine Woche zuvor saß ich noch bei MCE BIS im Büro in Wien und hätte mich von diesem Ingenieurbüro jemand haben wollen, dann hätte ein einziger Anruf bei mir genügt und ich hätte mich direkt mit diesem Büro in Verbindung setzen und über eine neue Anstellung sprechen können. Doch diese Stellenausschreibung wurde genau einen Tag nach der ersten Baubesprechung bei MCC aufgegeben, bei der nun auch offiziell bekannt gewesen sein musste, dass ich nicht mehr für MCE tätig bin. Daher hatte ich mir gerade bei dieser Stellenausschreibung überhaupt keine Chancen ausgerechnet. Wobei ich allerdings im gesamten Zeitraum, in welchem ich bei MCE in Wien für das Projekt MCC tätig war. Kaum etwas direkt mit diesem Ingenieurbüro zu tun hatte. Denn die offiziellen Baubesprechungen fanden stets an jedem Mittwoch statt. Die Besprechungen, welche ich mit Alois H. besuchte, waren hingegen nur interne Besprechungen, da es eben wegen der bisherigen mangelhaften Planung bei MCE einer gesonderten Besprechung bedurfte. Jedoch hatte ich trotzdem auch immer mit diesem Ingenieurbüro zu tun. Denn die Arbeiten auf der Baustelle hätten ja bereits längst begonnen werden müssen, als ich zu MCE kam. Zudem hatte ich am 5. Dezember zwar mit dem Bauleiter vom Baumanagement gesprochen. Allerdings war bei diesem Gespräch auch ein Mitarbeiter genau dieses Ingenieurbüros im Baucontainer mit anwesend. Daher wusste ich nicht recht, was ich nun mit dieser Stellenausschreibung anfangen sollte. Wobei es allerdings durchaus auch der Fall sein konnte, dass dieses Ingenieurbüro erst am 1. Februar von meinem Ausscheiden bei MCE erfahren hatte und vielleicht auch gerade deshalb nun eine Stellenausschreibung beim AMS aufgegeben hatte. – Was einem eben alles durch den Kopf geht, wenn man solch eine Stellenausschreibung erhält.
Daneben erhielt ich noch zwei weitere Stellenausschreibungen an diesem Tag. Eine in einem Unternehmen in der Umgebung von Salzburg, welches Sondersteckvorrichtungen herstellt und nun einen Vertriebsmitarbeiter sucht.

Auch dieses Unternehmen kannte ich sehr gut und hatte auch schon zu tun damit. Aber genau darin lag eben das Problem. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, in diesem Unternehmen tatsächlich eingestellt zu werden.
Die einzige Erfolgsaussicht sah ich in der dritten Stellenausschreibung, welche ich an diesem Tag erhielt. Jedoch war daraus nicht zu erkennen, was dahinter steckt. Und zudem sollte dabei der Dienstort Linz sein – und nach all dem, was ich bei VA Tech erlebt hatte, schien auch dies nicht sehr aussichtsreich zu sein.
(2021-01-24)