Salzburg, Unterach, Freitag, der 3. Februar 2006:
Gleich in der Früh begab ich mich an diesem Tag in mein altes Heimatdorf, hatte ich doch um neun Uhr meinen Termin beim Bauausschuss Obmann im Gemeinderat, um ihm mein nun geändertes Vorhaben bezüglich eines Grundstückes vorzustellen. Doch je näher ich meinem alten Heimatdorf kam, desto unsicherer wurde ich mir, ob die, nur einem Tag, nachdem ich mich arbeitslos melden musste, auch der richtige Tag dafür war. Aber nun hatte ich diesen Termin schon einmal vereinbart, deshalb wollte ich diesen auch einhalten. Zudem wollte ich nun auch unbedingt mein Vorhaben durchziehen.
Bei Peter St., dem Bauausschuss Obmann angekommen, bat er mich in sein Büro, sofern man dies überhaupt als solches bezeichnen konnte. Dort hörte er sich entspannt und gelassen meine Vorstellung an. Obwohl er wissen musste, dass ich weiß, weshalb dieses Wohnbauprojekt der Gemeinde auf meinem Grundstück gescheitert war, und dass es gerade er war, woran dies scheiterte. Zudem ließ ich darüber auch leichte Andeutungen fallen. Aber da ich deshalb gar nicht besonders enttäuscht war, waren diese meinerseits auch keinesfalls feindselig gemeint.
Knapp eine Stunde unterhielt ich mich mit ihm darüber. Zum Abschluss meinte er, er würde mir mein nun geändertes Vorhaben nicht recht glauben wollen, aber wir würden sehen. Dann verabschiedete ich mich wieder bei ihm. Wobei ich ihm auch noch sagte, auch mit ihrem Fraktionsvorsitzenden der ÖVP im Gemeinderat, Werner Sch., auch noch darüber sprechen zu wollen. Wobei mir längst Zweifel gekommen waren, ob dieser Termin nun auch zur richtigen Zeit stattgefunden hätte. Denn, es schein, als wüsste er längst davon, dass ich nun arbeitslos wäre. Was auch nicht weiter verwunderlich ist, war doch auch sonst binnen kürzester Zeit bekannt, was ich gerade in der Arbeit, aber auch sonst wo, gerade erlebt hatte. Daher wird es wohl auch der Grund dafür gewesen sein, weshalb er mir diesen Termin zu diesem Zeitpunkt gab, ohne mich zu fragen, ob ich überhaupt dafür Zeit hätte. Als ich dann sein Büro verließ, meinte er hinter mir,
„der wird sich anschauen!“
Danach fuhr ich weiter ins Dorf zu meinem Elternhaus, um mit meinem Bruder in dessen Büro noch etwas darüber zu sprechen. Dort plauderte ich allerdings nur mit ihm und dessen Bürokraft, welche vormittags in seinem Betrieb tätig ist, etwas darüber. Dabei bestätigte mir mein Bruder, was ich schon seit Weihnachten zu hören bekommen hatte. Er hatte längst das Grundstück, welches ich ihm überlassen hatte, an einen der Nachbarn, Herrn P., einem Wirtschaftsprüfer aus Wien, verkauft. Dies in Form eines sogenannten Mischpreises zwischen Grün- und Bauland. Wobei er mir zwar den Preis nicht nannte. Allerdings war mir auch dieser längst zu Ohren gekommen. Bis Mittag saß ich bei ihm in dessen Büro.
Im Anschluss daran besuchte ich noch das Lokal meines direkten Nachbarn Ernst Sch. Nicht um mit ihm zu sprechen, sondern lediglich, um dort einen Kaffee zu trinken. Vielleich würde ich dort jemanden treffen, dem ich auch mein geändertes Vorhaben bezüglich meines Grundstückes vorstellen sollte. Aber immer mehr Zweifel kamen in mir hoch, ob dies nun auch die richtige Zeit dafür wäre. Denn nun, da ich arbeitslos zu Hause sitze, würde mich in diesem Dorf ohnedies niemand so recht ernst nehmen. Daher war ich auch froh, dort niemanden anzutreffen.
Als ich danach gegen zwei Uhr nachmittags wieder zurück nach Salzburg ich meine Wohnung fuhr, kam mir, gerade in jener Streckenpassage am Mondsee, in welcher die Straße, direkt am See sehr eng ist und daher nur langsam zu befahren ist, Peter St. mit seinem Auto entgegen. Allerdings hatte er dabei lediglich ein müdes Grinsen im Gesicht für mich übrig, als ich an ihm vorbeigefahren bin. Wobei mir diese Begegnung schon etwas seltsam vorgekommen war, denn zu dieser Zeit begegnete ich ihm an dieser Stelle, solange ich mich erinnern kann, noch nie.
Wieder zurück in meiner Wohnung in Salzburg hörte ich, als ich, kurz nach meiner Ankunft dort, am Balkon stand, wie sich zwei Gäste aus dem Lokal unter meiner Wohnung, diesem „Bierheurigen“ über meinen heutigen Termin in meinem alten Heimatdorf unterhielten. Auch dies war längst nichts Außergewöhnliches mehr, hörte ich doch dort auch schon ständig darüber, was ich gerade erlebt hatte. Allerdings war bei diesem Gespräch auch der Wirt des Lokals selbst auch kurz mit dabei, welcher selbst im Immobiliengeschäft tätig ist und dieses Lokal meiner Ansicht nach nur nebenbei betreibt. Dabei meinte einer der Männer unter meinem Balkon, als sie am Ausgang des Lokals zum Gastgarten standen,
„heute ist er bei einem von denen draußen gewesen und hat sein neues Vorhaben vorgestellt. – Der ist im Anschluss daran gleich gefahren und hat möglichst viele davon verständigt, was der nun vor hat. – Denn selbst wissen die eh nicht, was sie machen sollen. – Das mit dem Wohnbau haben ihnen auch andere vorgeschlagen.“
Jetzt war ich allerdings richtig erschrocken. Denn genau so sah dies auch aus. Nicht nur mein heutiges Gespräch, sondern auch schon all die anderen Gespräche seit Weihnachten.
Eines wurde mir dabei allerdings klar, derzeit wäre es wohl nicht besonders klug, noch weitere Gespräche in diesem Dorf über mein geändertes Vorhaben zu suchen.
(2021-03-16)