Ismaning, Montag, der 4. April 2005:
Nun sah es tatsächlich so aus, als hätte mein Gespräch mit Karl P. am letzten Mittwoch etwas gebracht und es würde sich für mich in der Arbeit einiges zum besseren wenden. „Adi“ war nun betont freundlicher zu mir. Er kam auch viel öfters zu mir an den Arbeitsplatz, um mit mir zu sprechen. Sogar Karl K., mein Tisch Gegenüber, wurde zurückgepfiffen, obwohl er ohnedies harmlos war. Dafür war er einfach geistig zu schwerfällig, zu einfältig.
Aber Karl Pi. fehlte mir an diesem Tag. Sonst kam er meist an Montagen spätestens gegen Mittag ins Büro. Heute allerdings nicht. Erst am späteren Nachmittag tauchte er im Büro auf. Auch er war nun betont viel freundlicher als zuvor in den vergangenen Wochen.
An diesem Tag hatte er auch wieder eine Ausschreibung für mich, wofür ich ein Angebot erstellen sollte. Diesmal jedoch nicht eine dieser kleinen Ausschreibungen, bei denen der zu erwartende Angebotspreis meist knapp unter einhunderttausend Euro lag, sondern heute hatte er eine große Ausschreibung für mich mitgebracht. Eine Ausschreibung für die elektrotechnische Ausrüstung bei der Neuerrichtung einer Betriebshalle für eine Lackieranlage eines neuen Automobilwerkes eines südkoreanischen Automobilherstellers in Zilina in der Slowakei. Dort soll gar die neue Europa Niederlassung dieses Automobilherstellers entstehen.
Dabei ging es um die gesamte elektrische Grundausstattung einer doch etwas größeren Werkshalle mit fast 400 Metern Länge und gut 100 Metern breite. Dafür hatte ein Unternehmen aus Stuttgart den Auftrag für die Neuerrichtung einer Lackieranlage in dieser neuen Europa Zentrale dieses südkoreanischen Automobilherstellers erhalten. Dazu sollte ich hier wohl auch den Namen dieses Stuttgarter Unternehmens nennen, denn dieser wird in der Folge noch eine Rolle spielen – es handelte sich um das Unternehmen „Dürr Anlagentechnik“. Einem von zwei weltweit agierenden Unternehmen für die Errichtung von Lackieranlagen in der Automobilindustrie. Nicht weil dieses Unternehmen noch eine Rolle spielen wird, jedoch der Familienname des Gründers dieses Unternehmens.
Für diese Werkshalle hatte ich nun von Karl P. eine Ausschreibung für die elektrotechnische Grundausstattung dieser Werkshalle erhalten. Jedoch sollte das Angebot dafür bereits am Donnerstag nachmittags beim Auftraggeber bereits einlangen. Daher war für die Angebotserstellung nun nicht gerade viel Zeit, was mich zunächst etwas irritierte. Aber ablehnen wollte ich es trotzdem nicht. Schließlich schien es nun so, als würde sich doch einiges bessern im Büro.
Zudem war die Ausschreibung, eine funktionale Leistungsbeschreibung, äußerst gut aufgebaut und formuliert, sodass ich durchaus auch die Möglichkeit sah, dafür in dieser kurzen Zeit auch ein entsprechendes Angebot zu kalkulieren und zu erstellen, kannte ich doch bereits diese Art der Ausschreibungen dieses Auftraggebers. Denn es war der gleiche Auftraggeber, für welche ich schon im Dezember in Berlin bei einem Aufklärungsgespräch zu einem Angebot dabei war.
Dieser funktionalen Ausschreibung, bei welcher die auszuführenden Leistungen lediglich textlich beschrieben sind, jedoch keine Positionen der einzusetzenden Gerätschaften und Leistungen, verbunden mit zu erwartenden Mengen in der Ausführung, lagen zudem nur architektonische Pläne bei, in welchem noch keinerlei technische Einbauten enthalten waren. Weder Leuchten noch Verteiler noch sonstige Einbauten. Auch keinerlei erforderlichen Kabeltragsysteme und dergleichen. Somit galt es für die Kalkulation auch noch eine Projektierung der Anlagen vorzunehmen. Somit hatte ich i den nächsten Tagen richtig zu tun.
Allerdings enthielt diese funktionale Ausschreibung dieses Auftraggebers eine sogenannte Einheitspreisliste, bei welcher beinahe alle für die Errichtung der Anlage erforderlichen Gerätschaften aufgenommen sind. Somit hatte ich auch gleich einen Fahrplan, wie ich diese Kalkulation erstellen werde. Wusste ich doch, dass gerade dieser Auftraggeber besonderen Wert bei der Angebotserstellung auf diese Einheitspreisliste legt.
Die folgenden Tage waren nicht gerade langweilig für mich im Büro!
(2020-09-22)