Ismaning, Dienstag, der 1. Februar 2005:
Nun sollte er also gekommen sein, der erste Tag des neuen Zweigniederlassungsleiters in „München“. Manfred B. stellte sich bei mir vor, als er mit „Harry“ durch das ohnedies spärlich besetzte Büro ging – ausgenommen natürlich jener Raum, in welchem die technischen Bearbeiter der Allianz Arena saßen, am Ende des Ganges.
Meine Tätigkeiten als Hilfskraft für die Netzwerkerrichtung in dessen neuem Büro sollten allerdings an diesem Tag auch noch lange nicht zu Ende sein. Hatte ich doch extra für ihn noch letzte Woche einen Arbeitsplatz anschließen müssen, so musste ich dies an diesem Tag gleich noch einmal tun. Denn Manfred B. sollte nun doch noch ein anderes Büro bekommen. Dazu hieß es, er hätte sich ein anderes ausgesucht, jedoch unter vorgehaltener Hand erzählte man sich, „Harry“ hätte dies angeordnet. Aber auch dazu hieß es, ebenfalls unter vorgehaltener Hand, auch „Harry“ wäre es nun mittlerweile aufgefallen, mit der Schalldämmung wäre es bei der Errichtung nicht besonders ernst genommen worden. Schließlich war ein mit normaler Lautstärke gesprochenes Wort noch drei Zimmer weiter zu hören, auch wenn die Türen geschlossen waren. Zudem, Manfred B. erhielt nun ein für seine Position nicht wirklich entsprechendes Zimmer, einige Türen entfernt von „Harrys“ und auch von dessen Sekretärins Büro. Selbst hatte sich Manfred B. sein Büro nun sicher nicht ausgesucht. Von den Kollegen wurde abends darüber gespottet,
„Harry eben!“
Aber als ich nun wieder damit zugegen war, die Netzwerkverbindungen in dieses Büro herzustellen, lief „Harry“ stets an mir umher. An diesem Tag schien er auch sonst nicht gerade gut gelaunt zu sein. Zudem war es für ihn meine Schuld, dass nun in diesem Büro auch noch erst Netzwerkverbindungen hergestellt werden mussten und diese nicht schon längst stehen. Wobei ich bisher lediglich ausführte, was mir aufgetragen wurde.
Als sich dann die Aufregung wieder gelegt hatte, ich ihm vom Vollzug meiner Tätigkeit berichtete, ihn auch noch fragte, ob ich dann nicht vielleicht gleich alle Netzwerkverbindungen für alle möglichen Arbeitsplätze in diesem Büro herstellen sollte, verneinte er dies nur und war zufrieden, dass sein neuer Zweigniederlassungsleiter sein neues Büro nun endlich hatte. Drehte sich dabei allerdings von mir ab von mir und meinte,
„jetzt werden wir den Sack zumachen mit dem!“
Als ob ich eine Persona non grata wäre, welche endlich eingefangen – dingfest – gemacht werden sollte! Als ob ich ein Verbrecher wäre, dem das Handwerk gelegt werden müsste!
Mir war längst klar, was ich von dieser Person halten musste. Aber als normal konnte ich ihn längst auch nicht mehr einstufen. Denn, woher mochte mich „Harry“ so gut kennen, um dies behaupten zu können? Das ging einfach nicht. Denn bisher hatte ich kaum etwas zu tun mit ihm. Ausgenommen jene fünf Male, wo er mit seiner Sekretärin mit mir im gleichen Büro gesessen hatte. Wobei ich mich allerdings nur beim ersten Mal, also am 7. Dezember, mit ihm unterhalten hatte. Sonst war er nur im Büro. – Nicht einmal bei meinem „Bewerbungsgespräch“ in Linz am 22. November fand er es der Mühe wert, sich mit mir zu unterhalten, wie es mir Egon R., der Personalverantwortliche in Linz, erklärt hatte. Sondern auch hier hatte ich es „nur“ mit fünf seiner Leiter der „Organisationseinheiten“ in Kl4 zu tun!
„Harry“ schien also eine höchst fragwürdige Person zu sein!
Manchmal lief es mir eiskalt über den Rücken beim Gedanken, auch hier könnte mein Dienstverhältnis sehr rasch wieder zu Ende sein. Denn dies sah nun gar nicht mehr gut aus. Weshalb ich zum Entschluss kam, nun zu schauen, ob ich nicht mit Manfred B. ins Gespräch kommen könnte und sich hier für mich eine Zukunft auftun könnte.
Wenigstens hatte ich mit Karl P. zu dieser Zeit noch ein relativ gutes Auskommen. Wobei sich dieser im Büro rarmachte, seitdem klar würde, es käme hier ein neuer Zweigniederlassungsleiter aus Deutschland. Wahrscheinlich ging er davon aus, „Adi“ würde die Rolle des Zweigniederlassungsleiters zufallen, was sich nun allerdings als nicht zutreffend herausstellte.
Wenigstens hatte mir Karl P. genügend Arbeit zugeteilt, sodass ich mir nicht auch noch deshalb Sorgen machen musste.
(2020-08-25)