Ismaning, Montag, der 21. Februar 2005:
Diese Zweigniederlassung in „München“, welche eigentlich in Ismaning lag, war nicht die einzige Dependance der VA Tech in Deutschland. Auch in Hamburg gab es gar, so viel ich weiß, eine Niederlassung. Diese wurde allerdings von den Kollegen in Wien eingerichtet und unterlag auch deren Zuständigkeit.
Da hieß es unter den Kollegen der technischen Auftragsabwicklung des Fußball Stadions in München gar, diese „Zweigniederlassung“ sei nur deshalb gegründet worden, da eben auch Wien in Deutschland eine Niederlassung betreibt und „Harry“, als jener Abteilungsleiter der größten Abteilung in Österreich, musste eben auch so eine Niederlassung haben. Deshalb sei auch ein derart großes Büro gemietet worden, da in der Niederlassung der Wiener im Hamburg einfach eine ganze Truppe eines anderen Unternehmens aufgenommen wurde, welche nun in Deutschland für VA Tech geschäftlich tätig war.
Wie groß war dies nicht alles beworben worden innerhalb des Betriebes. Deshalb wurden auch große Erwartungen in diese Zweigniederlassung in München gesetzt. Doch an diesem Tag trudelten, wie auch an den meisten anderen Montagen, die Führungskräfte aus Linz ein. Doch diesmal bedeutend früher als üblich. Denn da hieß es von „Harry“, als er im Büro eintraf und er gefragt wurde, weshalb er gleich wieder auf dem Weg sei,
„in Hamburg ist etwas passiert!“
Deshalb begaben sich „Harry“, sein neuer Zweigniederlassungsleiter, sowie Karl P., gleich, nachdem sie im Büro eingetroffen sind, auf den Weg zum Flughafen, um nach Hamburg zu fliegen.
Genauere Details dazu waren im Büro darüber nicht zu erfahren. Obwohl alle in größter Aufregung waren. Aber schließlich saßen im Büro die Kollegen der technischen Auftragsabwicklung für das Stadion, welche darüber, da sie alle in Linz beschäftigt sind, von dort am Montag früh auch kommen, sicher viel mehr wissen.
So war es dann auch. Es hatte ja auch etwas Gutes, nun mit diesen Kollegen im gleichen Hotel untergebracht zu sein. Denn dort wurde an den Abenden darauf heftig darüber diskutiert. Da hieß es anfangs, in Hamburg würde ein Verlust von über 70 Mio. Euro drohen! Denn dort hätten die Kollegen einen Auftrag bei der Errichtung eines Hochhauses zu einem derart schlechten Preis angenommen, sodass ein hoher Verlust schon vorprogrammiert gewesen sei. Doch im Laufe der Tage, die Kollegen schienen offensichtlich ständig darüber informiert worden zu sein, hieß es dann, es sei wohl doch nicht derart schlimm. Wenn auch immer noch mit einem Verlust von 25 Mio. Euro zu rechnen ist. Dies wurde danach hingenommen, als wäre dies etwas Selbstverständliches, worüber man sich nicht weiter aufzuregen hätte.
Jedoch wurde an den Abenden in der Gastwirtschaft des Hotels auch sehr viel über die Geschäftspraktiken in Hamburg gesprochen. Wobei vieles davon einfach auch als Gerüchte abgetan werden könnte. Aber da hieß es, so manches Gourmet Restaurant wäre neidisch über den „Weinkeller“ in den Räumlichkeiten der Niederlassung gewesen. Wobei ganze LKW-Ladungen an guten, meist auch dem teuersten Wein aus Österreich nach Hamburg transportiert wurde, um dort Geschäftspartner damit zu beeindrucken – und nicht nur dies.
Diese Lastkraftwägen, welche zuvor vollgefüllt mit Wein aus Österreich nach Hamburg gefahren waren, fuhren allerdings nicht leer wieder zurück. Sondern waren ebenfalls prall gefüllt mit Materialien für Baustellen in Österreich, in der Region Ost. Anders wären dort die Aufträge gar nicht kostendeckend abzuschließen gewesen.
Nun mag Vieles, worüber damals von den Kollegen darüber gesprochen wurde, nicht unbedingt der Wahrheit entsprochen haben. Allerdings sollte es so kommen, dass ich nur wenige Jahre später gerade jenen Projektleiter dieses Hochhausprojektes in Stuttgart, welches für diesen Hohen Verlust in der Niederlassung in Hamburg gesorgt hatte, ein Österreicher, aus Kärnten stammend, der von Wien nach Hamburg entsendet worden war, als Arbeitskollegen bei einem Immobilienentwicklungsunternehmen in Wien bekommen sollte. Er hatte mir dies bestätigt und noch weiter im Detail ausgeführt, als ich mit ihm darüber gesprochen hatte. Aber dazu noch später.
(2020-09-07)