Eicherloh, Mittwoch, der 2. Februar 2005:
Etwas Gutes hatte es, dass nun alle von der VA Tech aus Linz nach München Entsendeten zusammen in einem Hotel untergebracht waren. Dadurch ergab sich die Möglichkeit, etwas abseits der Arbeit, am Abend, auch in etwas entspannterer Atmosphäre über die Arbeit zu sprechen. Wobei dies nichts ganz so entspannt ablief, wie man sich dies vorstellen könnte. Denn irgendwie passte doch immer wieder der eine auf den anderen auf, damit er nicht zu viel erzählt. So schien es zumindest. Denn eine Erfahrung musste ich bei meinen Kollegen aus Linz machen, mit einzelnen von ihnen konnte man sich durchaus gut am Abend in der Gastwirtschaft des Hotels unterhalten. Jedoch waren mehrere Kollegen mit am Tisch, so waren die Gespräche doch meist mühsam.
Aber was mich nun, kurz nachdem der neue Zweigniederlassungsleiter Manfred B. in „München“ seine Aufgaben übernommen hatte, verwunderte, selbst die Kollegen aus Linz gaben ihm kaum Hoffnung auf eine erfolgreiche geschäftliche Tätigkeit in dieser Zweigniederlassung. Es war schon mehr so, als hätten sich die Kollegen über ihn lustig gemacht und ihn ohnedies nicht ernst genommen. Schließlich war es „Harry“, welcher in durchgesetzt hatte, ohne offensichtlich dafür im Rest des Unternehmens großen Rückhalt zu haben.
Da gab es allerdings dieses Gerücht, auch ich hätte diese Position übernehmen sollen. Worüber allerdings bisher von den Kollegen selbst kaum etwas zu hören war. Nun jedoch meinte glatt einer der Kollegen aus Linz, welcher ebenfalls wegen der technischen Bearbeitung des neune Fußball Stadions nun in München war,
„das war Harry!“
Wobei er direkten Bezug zur Bestellung von Manfred B. als Zweigniederlassungsleiter in München herstellte und es ebenfalls „Harry“ gewesen wäre, der auch mich dafür ins Spiel gebracht hatte.
Aber nicht nur dies. Er meinte zudem, auch diese „Spielchen“ in Salzburg, wobei es ebenfalls um solche Gerüchte ging, ich sollte dort zuerst neuer Geschäftsführer der Region West werden, danach „wenigstens“ die Position von „Hörbi“ einnehmen, seinen ebenfalls von „Harry“ inszeniert worden. Wobei ich ihm allerdings sagen musste, diesbezüglich wären aber zumindest auch andere eingeweiht gewesen, denn schließlich hatte, oder wollte ich darüber mit diesem Segmentleiter Herbert St. sprechen, wobei mir dieser seine Erklärung über die Notwendigkeit der Schaffung eines Zusammenhaltes im unternehmen gab. Daher konnte ich dem kaum glauben schenken. Schließlich stand der Segmentleiter in der Hierarchie im Konzern weit über „Harry“.
Ich fand es allerdings trotzdem interessant, nun da auch dieses „Spielchen“ entschieden wäre, begannen auch die Kollegen mit mir darüber am Abend in der Gastwirtschaft zu sprechen. Dies sogar von sich aus, ohne dass ich dazu erst einen Anstoß dafür geben musste. Aber wahrscheinlich waren sie sich nun derart sicher, mich für immer „weggebracht“ zu haben, sodass dies kein weiteres Problem mehr ergeben könnte.
Allerdings erzählte dieser Kollege auch davon, wie „Harry“ in dieses Unternehmen gekommen war und gleich von Beginn an klar war, dieser würde, um im Unternehmen weiterzukommen, jede Möglichkeit dazu ergreifen und dabei skrupellos vorgehen. Einige Kollegen hätten wegen ihm erst gar keine mehr Ambitionen mehr gehabt, selbst in diesem Unternehmen weiterzukommen, musste doch, seit „Harry“ im Unternehmen war, jeder damit rechnen, von ihm abgesägt – geschasst – zu werden.
Selbst Gerhard G. soll bereits in dieser Abteilung KL4 Gruppenleiter einer dieser „Organisationseinheiten“ gewesen sein, jedoch sehr rasch seinen Posten wieder an einen anderen hatte abgeben müssen.
Gelegentlich waren die Gespräche am Abend in der Gastwirtschaft des Hotels, wie an diesem Abend, nachdem Manfred B. seine Tätigkeit als Zweigniederlassungsleiter in München aufgenommen hatte, richtig interessant. Wobei bei den Kollegen stets Vorsicht geboten war, war doch auch im Büro in Ismaning immer wieder zu beobachten, wie einer der Kollegen direkt mit „Harry“ sprach.
(2020-08-27)