Salzburg, Dienstag, der 11. Mai 2004:
Manchmal dachte ich mir, „Zucki“ würde gar zu mir halten. Aber dann gab es auch wieder Tage, da hatte ich regelrecht den Eindruck, er selbst wäre grundsätzlich gegen mich und würde all jene unterstützen, welche sich mir gegenüber derart widerlich verhalten, sodass beinahe mein gesamtes Leben aus der Bahn gekommen war, seitdem ich bei dieser VA Tech arbeitete.
Denn da schoss er an diesem Nachmittag, gleich nach der Mittagspause, ins Büro und meinte,
„das ist ein Wahnsinn, was die mit dem Hörbi aufführen! Der sitzt ganz zerknirscht auf seinem Platz und niemand kann etwas anfangen mit ihm!“
Auch mein Kollege Richard B. war darüber regelrecht verwundert, denn schließlich war „Hörbi“ ja bekannt dafür, nicht gerade der Umgänglichste im Büro zu sein. Da gab es schon Tage, an welchen die Kollegen, die mit ihm im gleichen Büro saßen, regelrecht Reißaus nahmen, wenn er wieder einmal so richtig in Fahrt gewesen ist. Gerhard F. hatte mir dies doch bereits an einen der ersten Arbeitstage in diesem Betrieb erklärt. Nun sollten daran offensichtlich, so klang dies jedenfalls von „Zucki“, andere schuldig sein.
Allerdings nachdem Richard B. nachgefragt hatte, wie er denn nun zu dieser Ansicht käme, meinte er, es wäre doch „Hörbi“ regelrecht anzukennen, dass er sich als Abteilungsleiter der Gebäudetechnik in Salzburg sehen würde, diese Position allerdings offiziell nun aber nicht erhalten würde. Deshalb, so meinte „Zucki“, wäre „Hörbi“, wie er nun sei.
Dies sah ich aber keinesfalls so, denn schließlich hatte ich stets dessen Verhalten mir gegenüber im Kopf. Daher fragte ich „Zucki“ glatt, ob er ihm denn nun leidtun würde. Worauf er allerdings meinte, er würde nicht verstehen, weshalb man ihn einfach nicht mit einer leitenden Position in einem Unternehmen betrauen könnte, denn dann würde sich, seiner Meinung nach, dessen Verhalten durchaus bessern.
Worauf ich „Zucki“ daran erinnerte, schließlich wüsste doch jeder, was „Hörbi“ bereits in seiner beruflichen Laufbahn angestellt hatte und es gäbe eben Regeln, welche für alle gelten, ohne die ein Zusammenarbeiten in solch einem Betrieb nicht möglich wäre. Er jedoch meinte, dann sollte man diese Regeln endlich abschaffen, denn es wäre nicht anzusehen, wie sich so ein Mensch deshalb quält.
Somit kamen wir auf den „Abschuss“ seines damaligen Chefs Max Sch. noch bei EBG von „Hörbi“ und „Zucki“ erzählte ansatzweise, wie sich dies damals zugetragen haben soll. Dabei soll es um ein künftiges Projekt bei der Erweiterung eines Einkaufscenters einer österreichischen Warenhandelskette hier in Salzburg gegangen sein. Dabei soll es „Hörbi“ so weit gebracht haben, dass bei diesem Auftraggeber zwei Angebote der EBG abgegeben worden waren, allerdings mit gänzlich unterschiedlichen Preisen, da „Hörbi“ dabei seinen Einfluss in Linz hatte spielen lassen, weshalb auch dort ein Angebot erstellt worden war und auch beim Auftraggeber abgegeben wurde. Genauere Details darüber kenne ich nicht. Jedenfalls soll dies derart negative Auswirkungen auf das Unternehmen gehabt haben, sodass „Hörbis“ Chef damals, obwohl er am Tag seines „Abschusses“ bereits um 17:00 Uhr nach Hause gegangen war, telefonisch von dessen Vorgesetzten in Linz wieder ins Büro beordert wurde, dabei regelrecht zur „Schnecke“ gemacht wurde und noch am selben Abend alles abgeben musste und das Unternehmen nie mehr betreten durfte. So erzählte es jedenfalls „Zucki“. Wobei auch Richard B. im Büro anwesend war, der dies damals ja auch direkt, als Kollege von „Hörbi“, miterlebt hatte. Wobei ich dabei keinesfalls für Max Sch. Partei ergreifen möchte.
Meines Wissens nach musste dies im Frühjahr 1995 gewesen sein. Denn ich konnte mich auch noch an diese Ausschreibung erinnern, hatte doch auch ich dafür ein Angebot kalkuliert. Allerdings mit der Anmerkung meines damaligen Chefs, ich sollte dies nur selbst kalkulieren, wenn ich auch tatsächlich Zeit dafür hätte, da der Auftrag ohnedies bereits an ein vorher feststehendes Unternehmen gehen würde. Den Preis würde ich später erfahren.
Hätte ich keine Zeit gehabt, dies selbst zu kalkulieren, dann hätten wir damals eben, wie es stets hieß, die Preise von diesem Unternehmen erhalten. Und dieses Unternehmen wäre eben offensichtlich EBG gewesen. Dabei hätten die, wie sonst üblich, nichts anderes getan als eine „Variante“ ihres bereits kalkulierten Angebotes ausgedruckt und uns zur Verfügung gestellt. Ein damals durchaus gängiges Kalkulationsprogramm, welches wir nun auch bei VA Tech in Verwendung hatten, hatte dafür sogar gleich einen eigenen Button integriert, bei welchem nur mehr eingegeben werden musste, um wieviel Prozent die „Variante“ vom ursprünglichen Angebot abweichen soll und das Programm hatte danach selbstständig nach dem Zufallsprinzip jede einzelne Position, in einem gewissen Rahmen, derart umgerechnet, sodass am Ende ein neuer Angebotspreis mit der gewünschten prozentuellen Abweichung herauskam.
Aber ich hatte ja das Angebot selbst kalkuliert. Und dabei hatte ich eben schon damals mitbekommen, dass sich in diesem Unternehmen eine gröbere personelle Veränderung zwangsläufig ergeben hatte, da plötzlich Max Sch. von einem Tag auf den anderen nicht mehr zu erreichen war. Diese Position wurde auch, meines Wissens nach, bis zu dem Zeitpunkt, als das Unternehmen in der VA Tech aufgegangen war, nicht mehr neu besetzt. Bereits damals war allerdings jedem in der Branche bekannt, wer der Urheber dieser Angelegenheit war – nämlich „Hörbi“!
Damit musste nun eben „Hörbi“ leben, gegen eine grundsätzliche Regel in der Branche verstoßen zu haben und noch dazu seinen direkten Vorgesetzten grundlos „abgeschossen“ zu haben. Was bedeutet, wer gegen diese Regel verstößt, der ist selbst weg! Meines Erachtens eine unbedingt notwendige Regel! Denn sonst beginnt jeder jeden „abzuschießen“ und niemand kann sich mehr einigermaßen sicher sein. So hatte ich es auch „Zucki“ erklärt. Allerdings möchte er nun diese Regel abgeschafft sehen und dies, nur damit jemand wie „Hörbi“ in seinem Berufsleben wieder glücklich werden könnte.
Witzig fand ich jedoch die Eintragungen von „Hörbi“ im Abwesenheitskalender, einem „Outlook“ Kalender, in welcher sich jeder eintragen musste, wenn er nicht in der Kernzeit im Büro war. Denn dort stand bei „Hörbi“, stets an Montagnachmittagen, also genau zu jener Zeit, in welcher diese Führungskreis Sitzungen beim Chef abgehalten wurden, „Therapie“! Weshalb ich mich einmal erkundigte, was denn damit gemeint wäre, denn eine Psychotherapie würde „Hörbi“ sicher nicht schlecht tun. Worauf mir erklärt wurde, es ginge nun regelmäßig zur Physiotherapie, da dieses Projekt über den Neubau eines schwedischen Möbelhauses in Salzburg in derart mitgenommen hatte, weshalb er sich nun in Behandlung befinden würde. Aber dies nur nebenbei!
Was ich allerdings dabei seltsam fand, war, dass ich in den Tagen und Wochen zuvor immer wieder vernehmen musste, ich würde nun doch „Hörbi“ abschießen, nur damit ich dessen Position einnehmen könnte und damit endlich bei VA Tech zur Ruhe käme. Dies zudem nicht nur in der Arbeit, sondern auch auf der Straße, oder abends, nachdem ich von der Arbeit nach Hause gekommen war, jemand im Gastgarten im Lokal unter meiner Wohnung dies mitbekommen hatte und meinte, dies nun so laut aussprechen zu müssen, sodass ich in meiner Wohnung, bei geöffneter Balkontür dies auch hören müsste. Als wäre ich regelrecht aufgefordert worden, nun selbst „Hörbi“ abzuschießen!
Wobei ich mir allerdings stets dachte, dies würde jenen so passen. Dies nur deshalb, damit man danach auch gegen mich etwas vorzubringen hätte und mich künftig von jeder Führungsposition damit fernhalten könnte. Mir wurde jedoch diese Regel allerdings bereits gleich zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn mitgeteilt, daher käme so etwas für mich ohnedies nicht in Frage. Auch selbst würde dies nicht zu meinen Vorstellungen über ein Weiterkommen in der beruflichen Laufbahn passen, daher hätte man mir diese Regel auch gar nicht erst erklären müssen. Aber ich kannte sie eben, daher fand ich es auch gut, wenn sie bei jemandem wie „Hörbi“ zur Anwendung kam.
Zudem hätte ich ohnedies kein Interesse an der von „Hörbi“ so sehnlichst erhofften Position gehabt, daher, weshalb hätte ich ihn „abschießen“ sollen. Hatte ich dies doch auch „Zucki“ ausdrücklich erklärt. Was jedoch kaum irgendwo angekommen zu sein schien. Denn immer wieder bekam ich dies zu hören, ich sollte doch dessen Position, welche er eigentlich gar nicht hatte, nun anstreben.
Es war allerdings doch sehr interessant, wie sehr sich doch die Themen, welche ich mit Kollegen, meist mit „Zucki“ und hin und wieder mit Richard B. besprach, auch in meiner Umgebung, wie zum Beispiel im Gastgarten unterhalb meiner Wohnung zu hören bekam, sich die Gespräche, mir meist gänzlich unbekannter Personen, deckten oder ergänzten. Als ob man mir etwas damit mitteilen wollte. Wie oft hatte ich es doch damals in meiner Wohnung bei offener Balkontür vom Gastgarten zu hören bekommen:
„Jetzt wird er wohl etwas tun mit Hörbi!“
Ich hingegen war allerdings nur daran interessiert, endlich in einem Leben Ruhe zu finden und keinesfalls jemanden deshalb abzuschießen, nur um dessen Position, die er offiziell ohnedies nicht innehatte, zu erhalten.
Wollte man mich vielleicht dazu nötigen, diesen „Hörbi“ „abzuschießen“, nur damit danach diese Regel aufgehoben werden müsste, damit auch ich danach wieder „etwas werden“ könnte? Wo ich doch angeblich so hohe Führsprecher in Linz hatte, welche „so auf mich abfahren“ würden? – Könnte sein. Allerdings hatte ich eher den Eindruck, man wollte mich dazu bringen, selbst endlich etwas zu tun, was einer Regel widerspricht, nur um mich damit endlich loszuwerden!
An diesem Tag auch wieder einmal zur Sprache, „Hörbi“ wäre schon längst nicht mehr in diesem Unternehmen, hätte er nicht einen großen Führsprecher in Linz. Einen der drei Vorstände, Dipl. Ing. Herbert K., der ihm seit diesem „Abschuss“ stets dies Stange hielt.
Aber der Verstoß gegen eine der „goldenen Regeln“ war ja nicht der einzige Grund, weshalb „Hörbi“ grundsätzlich von einer leitenden Position ferngehalten werden sollte. Denn allein sein Verhalten anderen Kollegen gegenüber zeigte deutlich, und dabei meine ich nicht nur sein Verhalten mir gegenüber, ihm hätte niemals eine Personalverantwortung übertragen werden dürfen und dies sollte auch niemals mehr geschehen.
Auch fachlich war er, aus meiner Sicht, niemals für eine leitende Position geeignet. Denn ich hatte stets nur allzu gut in Erinnerung, wie er beim ersten Angebot, welches ich in diesem Unternehmen kalkuliert hatte, agierte. Eigentlich hätte ich dieses Angebot für eine LKW-Werkstätte in Eugendorf erst gar nicht kalkulieren dürfen. Doch da „Hörbi“ im Urlaub war, wurde dies mir übertragen. Dabei ging es ursprünglich bei meiner ersten Kalkulation um 240.000 Euro. Also auch nicht gerade ein Großauftrag. Jedoch als „Hörbi“ wieder aus dem Urlaub zurück war und es um die Auftragsverhandlungen ging, reduzierte er nach der zweiten Runde einfach den Angebotspreis um seinen Gewinn von 30.000 Euro, da dieser ja auch, wie er des Öfteren im Büro erzählte, einzukalkulieren wäre, wobei man ihn deshalb als verrückt einzustufen gehabt hätte, denn was soll denn ein Gewinn aus einem anderen Projekt in der Kalkulation eines anderen Angebotes verloren haben, was umgehend auch bis zum vorgesehenen Subauftragnehmer durchgedrungen war, der selbst ein Angebot legte, jedoch selbst den Auftrag nicht entgegen nehmen wollte, sondern dies lediglich als Subauftragnehmer für VA Tech ausführen wollte, stieg dieser sofort aus dem Angebot aus, da hier, wie er mir am Telefon erzählte, ein Verrückter den Preis „zusammengehauen“ hätte, und dieser Verrückte war eben „Hörbi“. Letztendlich blieb VA Tech nichts anderes übrig, als auch aus dem Projekt auszusteigen, da dies mit eigenem Personal nicht durchzuführen gewesen wäre, hierfür stand kein Montagepersonal zur Verfügung, und der Architekt zu tun hatte, einen dritten Auftragnehmer zu finden, welcher danach diesen Auftrag für 170.000 Euro ausführte. Für mich ein geschäftsschädigendes Verhalten eines Mitarbeiters der VA Tech, daher hätte es diesbezüglich auch Konsequenzen geben müssen, auch wenn er einen Führsprecher im Vorstand hatte.
Also, „Hörbi“ war auch fachlich nicht für eine Führungsposition geeignet. Er mag zwar durchaus ein guter Techniker gewesen sein, wie die „Zucki“ anführte, wobei ich auch hier schon andere Erfahrungen machen musste, jedoch für weitere Aufgaben war er auf keinen Fall geeignet! Daher verstand ich dieses Theater seinetwegen um mich schon lange überhaupt nicht mehr!
(2020-02-17)