„Was haben Sie denn mit dem gemacht?“
Salzburg, Dienstag, der 13. April 2004:
Mit einer kleinen Vorahnung vom Vortag ging ich schon in die Arbeit. Aber kaum war ich an meinem Arbeitsplatz angekommen, den Rechner hochgefahren, las ich auch schon eine E-Mail von „Hörbi“ und dachte mir, gibt’s das?

Ich hatte diese E-Mail kaum fertig gelesen, kam auch schon die Sekretärin des Geschäftsführers durch die Büros gelaufen und teilte die Post aus, und so auch in mein Büro. Sie trat zur Tür herein, legte „Zucki“ etwas auf den Tisch und meinte dann zu mir,
„H. hat Ihnen eine E-Mail geschrieben. Haben Sie die schon gelesen?“
„Ja, gerade eben“,
meinte ich. Schon fuhr sie weiter fort,
„Was haben Sie denn mit dem gemacht? – So, wie der normaler weise E-Mails schreibt, hat der den ganzen Freitag Vormittag daran gesessen und diese geschrieben. – Kommen Sie dann gleich zu mir vor und ändern Ihren Urlaubsantrag, dann müsste wieder alles in Ordnung sein! – Der will ihnen nämlich eine schriftliche Abmahnung ausstellen lassen!“
„Was? – Dabei habe ich nur den Termin, welchen eigentlich er hätte wahr nehmen sollen, wahr genommen. Ich habe wahrscheinlich nur den falschen Tag aus meinem Urlaubsantrag gestrichen!“
„Kommen Sie dann einfach zu mir vor und ändern das einfach“,
meinte sie.
Aber da kam auch schon „Zucki“ zur Tür herein und hatte ebenfalls davon gehört. Eigentlich sollte man meinen, ich hätte lediglich den Urlaubsantrag richtig stellen müssen und schon wäre wieder alles in Ordnung, aber – eben eigentlich. Nicht mit „Hörbi“.
Den ganzen Vormittag bis in die Nachmittagsstunden wurde immer wieder hecktisch herumtelefoniert, der Abteilungsleiter, Herr N., in Innsbruck kontaktiert, „Zucki“ lief hektisch in der Firma herum, mein Kollege Richard B. wurde auch immer wieder befragt, und das alles nur, weil ich eigentlich „Hörbis“ Aufgaben wahrgenommen hatte, mir allerdings bei der Streichung eines Urlaubstage in meinem Urlaubsschein ein Fehler unterlaufen war. Dazu kommt noch, dies wurde derart hoch aufgezogen, sodass beinahe die gesamte Belegschaft der Firma, in Salzburg 70 Leute, permanent darüber informiert waren.
Am Nachmittag legte sich dann endlich die Aufregung wieder und auch „Hörbi“ musste einsehen, dass er hier bei weitem über das Ziel hinausgeschossen war. Und so kam es, dass ich am Rückweg von der Raucherecke, welche übrigens in diesem Unternehmen an der eigentlich zentralsten Stelle gelegen war – mit Kaffeeautomat, am Sekretariat von Susanne N., der Sekretärin des Geschäftsführers vorbei kam und „Hörbi“- allerdings mittlerweile etwas kleinlaut – bei ihr am Tisch stand. Da meinte Susanne N. zu „Hörbi“,
„warum machst Du das! Jetzt stehst Du wieder schön blöd da! Der nimmt Deinen Termin wahr, macht einen kleinen Fehler bei seinem Urlaubsantrag und Du willst ihm eine Abmahnung aussprechen lassen!“
Darauf meinte „Hörbi“,
„naja! Wenn einer so verlogen ist und sogar sein Licht in der Wohnung brennen lässt, obwohl er über das Wochenende weg fährt, nur damit es so aussieht, als ob er zu Hause wäre, dann musst Du jede Möglichkeit ausnützen, um den wieder los zu werden!“
Ich dachte, ich hör‘ nicht recht! Aber nun war mir auch klar, in welchem Zusammenhang „Hörbis“ Aktionismus gegen mich und diese Unsitte, mich total auszuspähen, wie ich es am Vorabend, als ich zurück in meine Wohnung gekommen war, standen. Diese E-Mail hatte er mir allerdings bereits am Karfreitag geschrieben, seinen Helferleins konnte allerdings frühestens am Karsamstag abends mein brennendes Licht aufgefallen sein.
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