Hallein, Montag, der 19. April 2004:
Irgendwie hatte ich Gefallen daran gefunden, den restlichen Nachmittag nach den relativ kurzen Baubesprechungen bei diesem Baumarkt in Vomp nicht sofort wieder ins Büro zurückzufahren, sondern diese Zeit für meine „Ausflüge“ zu nutzen. Daher beschloss ich auch an diesem Tag nach der Baustelle wieder über die Bundesstraße nach Salzburg zurückzufahren. Diesmal allerdings nicht durch das Brixental, sondern auf der anderen Seite des Berges über Söll bis St. Johann in Tirol und dann weiter über das „kleine deutsche Eck“ zurück nach Salzburg.
Doch ich wollte diese „Ausflüge“ nun auch nutzen, um meine Situation in diesem Unternehmen etwas zu verbessern, denn diese war eigentlich unerträglich – nach wie vor! Daher dachte ich mir, in dieser Zeit könnte ich auch neue Kontakte knüpfen. Aber zuerst wollte ich erst einmal ergründen, woher denn diese massiven Angriffe in diesem Unternehmen kommen könnten, denn dies glich bereits einer Hetzkampagne gegen mich. Doch an meinen bisherigen Kontakten zu diesem Unternehmen, bevor ich dort im August letzten Jahres zu arbeiten begann, jene mit „Hörbi“ beim Sony Werk in Anif und mit Richard B., mit welchem ich beim „Safe ZVG“ zusammengearbeitet hatte, konnte es nicht gelegen haben. Aber ich hatte auch ein Projekt, bei welchem ich als Projektleiter für die Planung zuständig war, wo VA Tech den Auftrag für die Realisierung der elektrotechnischen Ausrüstung erhielt. Dies war das Krankenhaus in Hallein. Für welches ich in diesem Ingenieurbüro, bei welchem ich zuvor tätig war, als Projektleiter zuständig war. Allerdings hatten wir dabei nur die Planung bis zur Vergabe im Auftrag, nicht jedoch die Bauüberwachung. Diese wurde von einem Ingenieurbüro aus Linz übernommen, wobei der Senior Chef dieses Büros bereits in der Planung als Konsulent mit eingebunden war.
Dieses Projekt lief noch. Das wusste ich. Denn als ich das Ingenieurbüro verließ, war die Planung zwar bereits abgeschlossen, doch der letzte Abschnitt des Umbaus war noch nicht begonnen. Dieser sollte im Herbst letzten Jahres beginnen und erst Mitte des Jahres fertiggestellt sein. Daher wollte ich diesen Nachmittag dafür nutzen, auf der Baustelle vorbei zu fahren und ich etwas mit dem bauleitenden Monteur unterhalten, denn dieser müsste auf jeden Fall noch auf der Baustelle sein.
Da ich mit der Bauüberwachung bei diesem Projekt nichts zu tun hatte, war ich auch gewöhnlich nicht bei den Baubesprechungen mit dabei. Jedoch zog mich dieses Ingenieurbüro aus Linz, vielmehr der Senior Chef davon, immer wieder mit dazu, sodass ich auch diesen bauleitenden Monteur des Auftragnehmers, der VA Tech, allerdings aus Klagenfurt, kannte. Mit diesem wollte ich mich nun unterhalten. Und da ich, wenn ich über die Bundesstraße zurück nach Salzburg fahre, ohnedies unweit von Hallein wieder nach Österreich zurückkehre, wäre dies auch kein großer Umweg.
Dort auf der Baustelle angekommen traf ich dann auch gleich den bauleitenden Monteur vor. Ich wusste ja, wo ich ihn finden werde, kannte ich mich doch immer noch auf der Baustelle aus. Er war etwas reserviert mir gegenüber, aber dies wunderte mich zunächst nicht. Denn dies war er bereits auch, als ich noch bei diesem Projekt dabei war. Daher plauderten wir zunächst nur allgemein. Doch dann erzählte ich ihm etwas von meiner aktuellen Situation bei VA Tech in Salzburg, denn diese war nicht zu ertragen. Wobei ich dies allerdings nur etwas ansprach, nicht jedoch ins Detail ging. Darauf meinte er, dies würde ihn auch nicht weiter wundern, denn das Büro in Salzburg sein hinlänglich bekannt dafür, dass es hier etwas seltsam zugehen würde. Auch „Hörbi“ kannte er, denn er hatte bereits viel von ihm gehört.
Dann allerdings unterhielten wir uns über diese Baustelle und ich fragte ihn, wie es ihm denn hier ergehen würde. Wobei er zunächst recht vorsichtig damit begann, es würde schon laufen. Aber dann meinte er, es sei ein Wahnsinn, denn bei diesem Bauvorhaben könnte er kaum Nachträge generieren. So etwas hätte er noch nie erlebt. Deshalb wüsste er auch nicht, wie er die Baustelle positiv abschießen sollte.
Wobei dazu anzumerken ist, in Klagenfurt waren die bauleitenden Monteure im Kompetenz Center für die Errichtung von medizinischen Einrichtungen auf größtenteils kaufmännisch für den Erfolg der Baustelle verantwortlich. Was bedeutet, sie hatten die Abrechnung der Baustelle selbst vorzubereiten, aber auch die Vorbereitung von Nachtrags- und Zusatzangeboten.
Worauf ich lächelnd zu ihm meinte, so sollte es doch sein, zumindest aus der Sicht des Auftraggebers und des Planers, war es ich doch, der die Planung und die Ausschreibung für dieses Projekt erstellte. Dies schien ihm allerdings gar nicht zu gefallen, denn er meinte, ob ich mich noch an eine der letzten Besprechungen erinnern könnte, bei welcher ich anwesend war. Denn dabei waren auch, so einte er, die ganzen großen Herren aus Klagenfurt anwesend. Woran ich mich tatsächlich noch gut erinnern konnte, denn dabei waren nicht nur er, sein Projektleiter, sondern auch zwei weitere Herren der Geschäftsleitung aus Klagenfurt mit anwesend. Dazu meinte er dann aber weiter, überall wären die Herren hingelaufen, denn dies hätte es noch nie gegeben, bei solch einem Projekt so wenig Möglichkeiten für die Erstellung von Nachträgen und Zusatzangeboten zu haben. Denn dabei wäre es eben unmöglich solch einen Auftrag mit einem positiven Erfolg, also mit einem Gewinn abzuschließen. Regelrecht ärgerlich mit mir wurde der bauleitende Monteur als ich dies beinahe regungslos hinnahm. Denn ich dachte mir und erklärte ihm dies auch dann, dies wäre doch gut für ein Projekt und noch besser wäre es, nun solch jemanden, der solch Ausschreibungen erstellen kann, nun auch im Unternehmen zu haben, der somit auch andere Ausschreibungen dementsprechend „zerlegen“ kann, um aus einem Auftrag auch ein gewinnbringendes Projekt werden zu lassen. Aber dies schien ihm noch weniger zu gefallen. Denn er wurde bereits verbal angriffig und meinte wieder, nur ein paar Positionen hätte er bisher als Nachträge schreiben können, so könne es auf einer Baustelle nicht ablaufen.
Nicht einmal, so meinte er zudem, der Nachtrag für die TV-Anschaltung an die Lichtrufanlage, bei welchem es damals noch um weit über 400.000 Schilling ging, von welchem sich ihre Herren doch so viel erwartet hätten, wäre etwas geworden. Wobei ich mich gerade daran noch bestens erinnern konnte.
Ich hatte mich dann weiter zurückgehalten, denn sonst wäre er mir vielleicht auch noch an den Kragen gegangen. Daher versuchte ich das Gespräch wieder auf allgemeine Themen zu lenken, was allerdings kaum mehr gelang. Daher musste ich feststellen, dies war für mich kein großer Erfolg und hatte mich keinesfalls weitergebracht, an diesem Tag auf die Baustelle im Krankenhaus Hallein zu fahren. Allerdings wurde mir schön langsam klar, woher die Angriffe in der VA Tech gegen mich kommen – sie kommen von allen Seiten. Und wenn die Geschäftsleitung aus Klagenfurt bei diesem Projekt überall „hingelaufen“ ist, wie es der bauleitende Monteur formulierte, nur weil wegen meiner Ausschreibung bei diesem Projekt kaum Nachträge zu kreieren seinen, dann ergibt dies schön langsam auch ein Bild, warum es mir in diesem Unternehmen so ergeht.
Niemand darf sich jedoch von mir erwarten, ich hätte oder würde dies verstehen! Denn eigentlich müssten sich die leitenden Angestellten in solch einem Unternehmen alle zehn Fingen lecken, wenn sie solch einen Mitarbeiter im Unternehmen haben. Schließlich war es auch eine meiner Lieblingsaufgaben als ich noch bei ABB arbeitete, Ausschreibungen regelrecht zu zerpflügen, um daraus ein positives, erfolgreiches Projekt werden zu lassen. Ohne dabei allerdings jemals mit den Vertretern des Auftraggebers oder der Planer in ernsthafte Konflikte zu geraten. Als Planer, der ich von Oktober 1995 bis Juli 2003 war und somit auf der Seite der Auftraggeber saß, nutze ich dabei eben all mein Wissen und meine Fähigkeiten diesbezüglich, um Ausschreibungen so zu erstellen, damit eben ein ausführendes Unternehmen meine von mir erstellten Ausschreibungen eben nicht zerpflügen konnte. Es kommt eben auch immer darauf an, auf welcher Seite eines Projektes man sich gerade befindet. So zumindest meine Einstellung diesbezüglich.
Allerdings schien der Weg zu einem positiven Erfolg eines Auftrages in diesem Unternehmen ein anderer zu sein und die leitenden Angestellten hätten gänzlich andere Vorstellungen, wie ein Erfolg zu erzielen wäre!
(2020-02-07)