Salzburg, Freitag, der 19. März 2004:
Endlich hatte ich ja selbst einen Auftrag ergattert und dies mit einer sagenhaften Auftragssumme von gut 70.000 Euro. Naja, Kleinvieh macht eben auch Mist. Wenigstens konnte ich nun meinem eigentlichen Job, dem eines Projektleiters nachkommen und hatte endlich auch eine Aufgabe in diesem Betrieb.
Nun würde ich allerdings am Vormittag zum Geschäftsführer gerufen, denn ich sollte mit ihm die Auftragskalkulation durchgehen, damit er das Auftragsschreiben unterzeichnen und auch gleich zurückschicken kann, denn am Montag nächster Woche sollte ich ja schon an der ersten Baubesprechung teilnehmen.
Also begab ich mich in das Büro des Geschäftsführers Christian H. Doch dort hörte ich, als ich sein Sekretariat betrat, wie Susanne N., die Chefsekretärin, zu ihm meinte,
„vielleicht sollten wir doch noch umdenken und bei ihm nachgeben!“
Worauf Christian H. meinte,
„auf keinen Fall! Wenn du den dabeihast, da kannst du dir die Kugel geben!“
In diesem Augenblick ging ich an Susanne N. vorbei ins Büro von Christian H., der, wie es scheint, doch etwas überrascht war, mich hier schon zu sehen. Denn im Anschluss daran meinte er zu Susanne N., sie sollte ihm dann Beatrix L. auch gleich rufen, damit wir die Auftragskalkulation für „Vomp“ durchgehen könnten.
Wobei ich etwas überrasch war, diese überhaupt mit ihm durchgehen zu müssen. Denn zu diesem Auftrag hatte ich lediglich ein Angebot kalkuliert, welches keinesfalls unbedingt zu einem Auftrag führen müsste, schon alleine der Größe des Auftragsvolumens begründet, dabei auch noch einen potentiellen Nachlass bei Auftragsverhandlungen einkalkuliert, welcher auch bereits in der Angebotskalkulation ausgewiesen war, wobei der tatsächliche Nachlass welcher nun auf dieses Angebot gewährt wurde, exakt dem bereits von mir einkalkulierten möglichen Nachlass entsprach. Daher war die Auftragskalkulation identisch der bereits zuvor bestehenden Angebotskalkulation. Warum nun darüber auch noch extra gesprochen werden müsste, zudem auch noch im Beisein der kaufmännischen leitenden Angestellten Beatrix L. war mir nicht ganz klar. Vom Zustandekommen dieses Auftrages hatte ich zudem überhaupt nichts mitbekommen. Ich erstellte lediglich ein Angebot, versendete dies und nun war plötzlich ein Auftrag im Haus.
Mit dem Dialog, welchen Susanne N. und Christan H. führten, als ich sein Büro betrat, konnte ich zu dieser Zeit auch noch nichts weiter anfangen. Ich hatte ihn mir allerdings gemerkt. Denn ich fand ihn doch sehr seltsam.
Kaum hatte ich mich an den Besprechungstisch in seinem Büro gesetzt, hörte ich, wie bei Susanne N. ein Gespräch einging, welches Christan H. nun offensichtlich gar nicht haben wollte. Schon gar nicht in meiner Gegenwart. Allerdings nahm er es dann doch an, denn es handelte sich offensichtlich um einen seiner Vorgesetzten in Linz. Dabei klang er nicht gerade souverän und überdeckte dies, nach Beendigung des Telefonates, mit einem gezwungenen Lächeln. Ich dachte mir nichts weiter darüber, denn von diesem Theater vor seiner Bestellung als neuer Geschäftsführer in diesem Betrieb bis Ende Jänner hatte ich mehr als genug!
Kurz darauf kam auch Beatrix L. und, wie ich es vermutet hatte, war das Gespräch über die Auftragskalkulation sehr schnell beendet. Denn alle Vorgaben im Konzern wurden dabei eingehalten und zudem entsprach sie der Angebotskalkulation.
Einige Zeit später, ich holte mir gerade einen Kaffee vom Automaten und rauchte dort eine Zigarette, lief mir Beatrix l. noch einmal über den Weg, als ich wieder zurück an meinen Arbeitsplatz gehen wollte. Dabei wurde sie nun regelrecht zutraulich und meinte, es wäre nun doch besonders gut, dass nun wieder ein Mitarbeiter im Büro sei, welcher auch Aufträge an Land ziehen würde und diese dann auch bearbeiten möchte. Denn mit den beiden anderen in der Abteilung, dabei war klar, wer gemeint war, würde dies ja überhaupt nicht funktionieren. Worauf sie noch ergänzte, vor allem mit „Hörbi“.
Worauf ich zu ihr meinte, dies würde ich überhaupt nicht verstehen. Denn wenn jemand derartige Probleme im Betrieb verursacht, und mit „Hörbi“ ist an manchen Tagen ja gar kein Auskommen gewesen, dies ging zudem nicht nur mir so, sondern auch andere Kollegen würden über ihn auch in ähnlicher Weise klagen, dann ist nicht zu verstehen, warum dieser nicht im Betrieb gekündigt wird. Dazu meinte sie ganz entsetzt,
„einen von denen? – Von denen kann man keinen rauswerfen!“
Darauf ging ich nicht näher ein, meinte aber zu ihr, es wäre zwar klar, wer „Hörbi“ in diesem unternehmen die Stange halten würde, dies mit einem der drei Vorstandsmitglieder des Konzerns, gerade jenem, welcher noch dazu in Linz sitz, auch keine unwichtige Person sein, aber dann müsste man eben diesen Herren einmal darüber informieren, welche Auswirkungen die Anwesenheit von „Hörbi“ in diesem Unternehmen hat. Sollte er dann immer noch hinter ihm stehen, wäre er eben für die Folgen zumindest mitverantwortlich. Denn es könne ja nicht sein, dass eine ganze Abteilung den Bach hinunter geht, nur weil ein einziger Mitargeiter sich gegen alles sträubt. Allerdings war mir doch klar, was sie mit „einem von denen“ meinte, daher hatte ich dazu noch ergänzt, wäre „Hörbi“ erst einmal nicht mehr im Büro, dann würde nur wenige Tage später kein Hahn mehr nach ihm krähen. So viele „Freunde“ hatte „Hörbi“ auch gar nicht. Wie auch, saß er doch beinahe den gesamten Arbeitstag im Büro auf seinem Arbeitsplatz, hatte kaum Kontakte zu Kunden, zu Lieferanten und schon gar nicht zu Planern und dem Mitbewerb. Daher würde ich darin ein nicht besonders großes Problem sehen, ihn im Betrieb loszuwerden.
Mir war zwar klar, dass dies nicht viel bringen würde, als ich ihr dies gesagt hatte, doch wollte ich mir diese Gelegenheit einfach nicht entgehen lassen, auch ihr einmal meine Meinung über diverse Personalentscheidungen im Betrieb mitzuteilen.
(2020-01-30)