Salzburg, Donnerstag, der 16. Oktober 2003:
Ich war ganz überrascht, als mich Tags zuvor ein ehemaliger Arbeitskollege jenes Ingenieurbüros, für welches ich zuletzt in Salzburg gearbeitet hatte, anrief und mich fragte, ob ich mich denn nicht mit ihnen abends, nach der Arbeit um 18:00 Uhr, treffen und mit ihnen Essen gehen möchte. Wir sollten uns in einem kleinen mexikanischen Restaurant in Nonntal treffen, in welchem es an Donnerstagabenden Rippchen oder Chicken Wings für 10 € gibt und man dafür so viel essen kann, wie man will. Viele der Kollegen trafen sich dort an solchen Tagen, denn wer will sich schon solch ein Angebot entgehen lassen. Ich war da allerdings meist nicht dabei. Diesmal sagte ich aber sofort zu Denn, auch wenn ich nicht vorhatte, mit Rippchen oder Chicken Wings mit den Fingern gegessen einzuverleiben, aber ich wollte einfach Neuigkeiten aus diesem Büro erfahren. Deshalb sagte ich auch erfreut zu.
Um 18:00 Uhr trafen wir uns also in diesem kleinen mexikanischen Restaurant in Nonntal. Beinahe die gesamte Belegschaft des Büros und ich hatten sich an diesem Abend dort getroffen. Selbst Erhard L., einst technischer Leiter der Papierfabrik in Hallein, später, nach seiner Kündigung dort, Mitarbeiter in einem dubiosen Unternehmen, welches sich mit der technischen Ausstattung von Straßentunnels beschäftig, welches immer wieder ins Gerede gekommen ist, wegen dubiosen Geschäftspraktiken, anscheinend bereits öfters geschlossen wurde, dann allerdings doch wieder unter neuem Namen eröffnet wurde, nun von einem Unternehmen nahe Stuttgarts gekauft wurde, danach, als er sich mit der Geschäftsleitung zerstritt und damit sogar vor Gericht ging, hatte sich an diesem Abend an unserem Tisch eingefunden. Ich war ganz überrascht, als ich ihn dort angetroffen habe. Allerdings, er war einer der angenehmsten Kollegen, daher hatte ich mich darüber auch gefreut.
Aber an diesem Abend ging es offensichtlich gar nicht darum, sich möglichst viele Rippchen oder Chicken Wings für 10 € einzuverleiben. Niemand wollte von dem Angebot der Rippchen und Chicken Wings um 10 €, weshalb sie doch, als ich noch in diesem Büro arbeitete, oftmals gebrach machten, etwas wissen. Niemand aß an diesem Abend etwas. Es sah eher so aus, als wollten die Kollegen mich aushorchen! Worüber ich dann doch zuerst etwas irritiert war. Vielleicht war es auch deshalb, weshalb sogar Erhard L., übrigens Diplomingenieur und bevor er technischer Leiter in der Papierfabrik in Hallein wurde, Mitarbeiter jenes Unternehmen, welches nun auch in diesem Konzern VA Tech eingegliedert ist und auch hier in Salzburg vertreten ist.
Nachdem mir klar wurde, an diesem Abend sollte ich ausgehorcht werden, spielte ich eben etwas Show, denn dies wollte ich mir, nach all dem, was ich in den letzten Monaten, als ich noch für dieses Büro gearbeitet hatte, durchgemacht hatte, nicht gefallen lassen. Es glich beinahe wie einem Verhör, welchem ich an diesem Abend unterworfen werden sollte. Wer und was auch immer dahintergesteckt haben mag, ich hatte an diesem Abend wenigstens selbst erfahren, was ich erfahren wollte. Die neue Ausschreibung für die elektrotechnische Ausrüstung des Straßenbahntunnels in Linz bei dieser „Nahverkehrsdrehscheibe“ wurde nun rechtzeitig vom Büro erstellt und mittlerweile wurde auch bereits der Auftrag an ein Unternehmen vergeben. Als wäre es das Selbstverständlichste, meinte mein ehemaliger Kollege Stephan K., hätte diesen Auftrag die, wen wundert es noch, die VA Tech erhalten.
Auch die nun doch rechtzeitige Erstellung der neuen Ausschreibung hatte mich nicht weiter gewundert. Konnten die Kollegen doch bereits alles von mir erstellte übernehmen und mussten lediglich nun die Massenermittlung erstellen, welche eigentlich schon zur ersten Ausschreibung durch das Büro erstellt werden hätte müssen, ich dies allerdings nicht alleine schaffen konnte, mit all dem anderen, was ich bei diesem Projekt zu tun hatte, das Büro, vor allem Rudi K., der zweite Chef in diesem Büro, mir dazu allerdings die Unterstützung verweigert hatte. Nun stand das Büro wieder gut da. Auch wenn der Auftrag für die Bauüberwachung bei diesem Projekt nun an ein anderes Büro übergeben wurde. Aber der zweite Chef, Rudi K., der das Projekt zu Beginn selbst leitete, sich allerdings zu Beginn des Jahres 2002 aus dem Projekt einfach zurückgezogen hatte, den Chef, Walter H. vorgeschoben hatte, und die Kollegen standen nun wieder exzellent da. Der eigentliche Chef, Walter H., nun wohl weniger.
Eigentlich fand ich es regelrecht widerlich, wie sich die Kollegen mir gegenüber an diesem Abend verhalten hatten. Denn ich hatte ja zuletzt bei diesem Projekt der „Nahverkehrsdrehscheibe“ keine andere Wahl als zu tun, was ich getan habe. Dies endete eben damit, dass ich in diesem Büro keine Zukunft mehr sah und es daher Ende Juli verlassen habe. Es war zwar für mich zu erwarten, dass mir gegenüber „nachgetreten“ werden würde, aber dass sich dafür auch die Kollegen hergeben, dass hätte ich von ihnen nicht erwartet. Aber so ist es nun mal.
Der Abend dauerte zwar lange, aber wenigstens schloss dieses Restaurant um Mitternacht. Daher musste ich nicht den Tisch vorzeitig verlassen, solange noch Kollegen weiter in diesem Lokal bleiben wollten. Dies wollte ich nun niemandem von ihnen gönnen. Sondern ich verließ das Lokal gemeinsam mit allen Kollegen, als dieses Restaurant Sperrstunde hatte.
An diesem Abend wollte ich allerdings noch nicht nach Hause gehen, daher bog ich, als ich mit zu Fuß auf den Rückweg begab, nach der Salzach ab und besuchte noch dieses „Pepe Gonzales“ in der Steingasse. Dort blieb ich allerdings nicht lange. Denn die Unmutsäußerungen der Chefin dieses Lokals, der Frau von Karl B., mir gegenüber, wurden immer lauter. Sie war mir ohnedies nie besonders sympathisch. Viel zu groß waren dafür die Ähnlichkeiten zwischen ihr und der Frau des Wirtes der Weinschenke in meinem alten Heimatdort. Nicht nur äußerlich waren sie sich sehr ähnlich, auch in der Art waren kaum Unterschiede zu erkennen. Daher beschloss ich an diesem Abend, für diese Jahr sollte es dies wohl gewesen sein, dass ich mich in die Ausgehgesellschaft werfe und mich abends in irgendein Lokal begebe. Auch wenn dies vielleicht bedeuten sollte, ich müsste mir, falls ich danach ein Verlangen verspüren sollte, mir im Supermarkt ein Bier kaufen und dies zu Hause vor dem Fernseher trinken, was ich bisher noch nie getan hatte. – Es würde auch nicht so weit kommen! Aber für dieses Jahr hatte ich nun einfach genug.
Ich hatte zudem auch mittlerweile den Eindruck, diese „Silly“ müsste nun doch hier in Salzburg sein. Aus all dem, was ich nun hinter vorgehaltener Hand zu hören bekam, war dies einfach nur logisch. Es konnte beinahe gar nicht mehr anders sein. Auch wenn dies für mich bedeutet hatte, diese Frau müsste ich nun eigentlich schon für bösartig einschätzen! Denn entweder versteht sie überhaupt nicht, was ihr Verhalten mir gegenüber bedeutet und welche Auswirkungen dies für mich hat, oder sie macht dies einfach mit Absicht und dann ist dies einfach bösartig!
(2019-12-18)