Salzburg, Dienstag, der 10. Juni 2003:
Dies war mein erster Arbeitstag, nachdem ich, nach dem Tod meiner Mutter, eine Woche lang im Urlaub, sofern man dies als solchen bezeichnen kann, war. Und es ging gleich in der Früh schon wieder richtig los, wie es am Freitag vor einer Woche für mich aufgehört hatte, bevor ich diese Zwangspause einlegen musste. Bis Mittag, so meinte mein Chef, müssten nun die aktuellen Zahlen der möglichen Einsparungen und der bewerteten Änderungen im Projekt der Projektsteuerung bekanntgegeben werden, denn noch am Nachmittag soll dort eine Besprechung stattfinden, in der entschieden werden sollte, ob nun die Ausschreibung aufgehoben werden müsste und überarbeitet neu ausgeschrieben werden müsste, oder ob es doch mit der bestehenden Ausschreibung zu einem Auftrag kommen könnte, bei welchem die genehmigten Budgetzahlen für das Projekt eingehalten werden können und es deshalb aber trotzdem zu keinen wesentlichen Qualitätsminderungen für den Auftraggeber kommt.
Dies war für mich nicht weiter schwierig, denn schließlich musste ich nicht mehr tun, als die Zahlen, welche ich ohnedies seit einigen Wochen bereits im Kopf hatte, welche ich zudem meinem Chef noch am Donnerstag der Vorwoche, als er mich an meinem privaten Mobiltelefon angerufen hatte, kurz bevor wir uns auf den Weg zum Friedhof zum Begräbnis meiner Mutter begeben hatten, schon mündlich erklärt hatte, zusammenschreiben und eine entsprechende Begründung dafür formulieren.
Aber genau darin lag die Ursache, warum ich in diesem Büro nicht mehr weiterarbeiten wollte und auch nicht konnte, denn schließlich blieb zuletzt alles bei mir hängen. Ich hatte bei meiner Tätigkeit niemanden, welchem ich etwas abgeben konnte, auch nicht meinem Chef, dem ich ja noch einige Tage zuvor schon diese Zahlen und auch die Begründungen dafür geliefert hatte, dieser all das jedoch nicht zusammenfassen konnte, oder auch nicht wollte, und dies der Projektsteuerung weiterleitete. Nun musste ich auch dies noch selbst tun. Daher stellte sich mir die Frage, weshalb er mich dann unbedingt auch noch kurz vor dem Begräbnis meiner Mutter deshalb auch noch privat anrufen musste, nur damit ich ihm dies erzähle und er dies dann doch wieder nicht umsetzt. Daher, es gab für mich kein weiterarbeiten mehr in diesem Büro. Dafür ging es bei diesem Projekt um viel zu viel und mir fehlte gänzlich die Unterstützung und der Rückhalt! Mein damaliger Chef Walter H. war auch nicht die Persönlichkeit, welche alleine durch sein Auftreten durch sein Tun und Handeln, durch seine Schriftstücke, welche er verfasste, jemanden davon überzeugen konnte, dies wäre gut und richtig, was er von sich gegeben hat. Und mein zweiter Chef, Rudi K., der Schwager meines eigentlichen Chefs, der ja sein eigenes Büro im Büro hatte, zig sich ohnedies jedes Mal sofort aus jedem Projekt zurück, sobald es Probleme gab und schob Walter H. vor. Ausgenommen natürlich bei jenen Projekten, welche unter seinem Namen geführt wurden. Da ließ er die Entstehung von Problemen erst gar nicht zu, sondern mobilisierte alle Ressourcen im Büro, auch wenn dafür alles andere liegen und stehengelassen werden musste. Leider war die „Nahverkehrsdrehscheibe“ ein Projekt, welches unter dem eigentlichen Büronamen, mit Walter H. als Chef, lief!
Bis Mittag hatte ich dies nun längst erledigt und kaum wollte ich nach der Mittagspause wieder zurück an meinen Arbeitsplatz gehen, da sah ich, wie mein Mobiltelefon klingelt, wobei mir die darauf stehende Nummer auch bekannt vorkam. Daher ging ich auch gleich vor das Haus hinaus, um zu telefonieren. – Es war Erich H. von der VA Tech, der da am Telefon meinte,
„wir nehmen Sie doch!“
Ich glaube, niemand kann sich vorstellen, wie erleichtert ich nun war. Daher hatte ich dieses kleine Wort „doch“ zunächst auch gar nicht richtig registriert. Dafür war ich zu froh, nicht mehr länger in diesem Büro weiter arbeiten zu müssen, sondern sich hier nun endlich ein Ende abzeichnen würde. Auch wenn ich äußerst gerne an diesem Projekt gearbeitet habe, zusammen mit den weiteren vier Projekten und diesem unvorstellbaren Zeitdruck, welcher durch das Büro selbst verursacht wurde, sah ich keine Chance mehr, dies noch gut ein weiteres Jahr, bis dieses Projekt dann in der Ausführung fertiggestellt sein würde, die Eröffnung war ja für November 2004 geplant, durchzuhalten. Denn die Aussicht, dass sich der Druck, welcher bei diesem Projekt auf mir lastete, würde sich, nachdem ein Auftrag vergeben und mit den Arbeiten vor Ort begonnen werden würde, legen, war einfach nicht vorhanden.
Eigentlich hätte dieses „doch“ für mich ein Alarmsignal sein müssen – das war es allerdings zu dieser Zeit nicht für mich!
(2019-08-22)