Unterach, Freitag, der 20. Juni 2003:
Wieder einmal blieb ich, nach meinem Geschäftsdienst am Nachmittag, von 15:00 Uhr bis 18:00 Uhr in Unterach. Am Abend besuchte ich, wie meistens, wenn ich in Unterach war und gerade in den Sommermonaten, noch diese Schirmbar, direkt am Hauptplatz, welche zur Weinschenke von Andreas M. gehörte. Dieser führte sie allerdings nicht selbst, sondern hatte sich dafür für die Sommermonate jemanden angestellt, welcher diese Bar führte. Es war eigentlich immer ein Treffpunkt in diesem Ort und da sie ohnedies nur in den Sommermonaten offen war, nützen dies auch sehr viele Einheimische.
Nach dem Tode meiner Mutter war ich zudem meist in diesem Dorf geblieben, denn durch das ohnedies mittlerweile unerträgliche Gerede, welches mittlerweile um meine Person entstanden ist, hatte sich auch dies weit und breit herumgesprochen und ich wollte mir die Reaktionen einiger darauf einfach ersparen. Nun stand ich also am Abend an dieser Bar und wollte mich einfach nur mit anderen aus diesem Dorf unterhalten. Da kam auch Gerald R., er hatte im Unternehmen meines Bruders, bei welchem ich als gewerberechtlicher Geschäftsführer fungierte und in dessen Laden ich noch am Nachmittag meinen „Geschäftsdienst“ versah, einst seine Lehre als Elektroinstallateur absolviert, das Unternehmen allerdings schon vor einiger Zeit verlassen, da er in Wels einen Job bekam, wo er mittlerweile sogar als Geschäftsführer arbeiten sollte. Dies konnte ich mir zwar kaum vorstellen, aber dazu hatte ich mich mit ihm niemals mehr unterhalten können. Seine Eltern waren ebenfalls, wie sehr häufig, an diesem Abend an dieser Schirmbar. Es war eben ein Treffpunkt für die Einheimischen, gerade vor den Ferien, wenn das Wetter bereits schon und warm war, allerdings noch nicht so viele Sommergäste in diesem Ort waren.
Nun hörte ich, wie sich Gerald R. mit seinen Eltern über mich zu unterhalten begannen. Da meinte er über mich zu seinem Vater,
„der W. ist aber schon gut geworden! Was man über den alles hört? – Alleine, was der beruflich alles macht!“
Darauf meinte sein Vater, Georg R., der übrigens auch für die SPÖ im Gemeinderat saß,
„wegen dem brauchst Du Dir gar nichts denken, denn wir bauen eine neue Gemeinschaft auf! – Da kann der gut sein, so viel der will, das spielt dann überhaupt keine Rolle mehr!“
Nun war ich mittlerweile etwas beunruhigt, als ich dies hörte, daher hatte ich diese Aussage auch nicht mehr vergessen. Denn, wenn nun auch bereits jene, mit welchen ich mich bis zuletzt noch relativ gut verstand in diesem Ort, da wir uns ja, alleine durch die Lehre von Gerald R. im Unternehmen meines Bruders, schon sehr lange und auch relativ gut kannten, derart über mich sprechen, dann schien mir dies doch schon mehr als bedenklich zu sein. Zudem hatte ich es auch nicht verstanden, denn bisher, so dachte ich mir zumindest, hätte es mit ihnen überhaupt noch nie einen Grund für Differenzen gegeben.
Ich hatte den Eindruck, seine Mutter hatte es mitbekommen, dass ich dies vernommen hatte, denn sie sah mich an und wirkte dabei mehr als zufrieden. Sie setzte dabei ein Lächeln auf, als hätte sie mich längst abgeschrieben.
Nach einiger Zeit begegnete ich Gerald R. am Gang im Lokal, als ich gerade von der Toilette kam. Er grüßte mich zwar, zeigte allerdings überhaupt keine Anzeichen davon, als wollte er sich mit mir unterhalten, so wie wir dies in früheren Zeiten immer taten. Er lief einfach an mir vorbei und grinste mir dabei regelrecht ins Gesicht.
Schön langsam wurde mir klar, hier musste etwas Großes gegen mich im Gange sein. Auch wenn ich damals die Dimension dieser „neuen Gemeinschaft“ noch nicht erkannte!