Linz, Mittwoch, der 11. Juni 2003:
Am nächsten Tag ging es gleich wieder los mit der nächsten Besprechung in Linz für dieses Projekt „NVD“. Diesmal allerdings nicht, wie sonst üblich im eigens dafür angemieteten Büro unweit der Baustelle, oder beim Auftraggeber selbst, sondern diesmal beim Projektsteurer, eigentlich ein Statik Büro, welches dort vornehmlich im konstruktiven Ingenieurbau, im Verkehswegebau, tätig ist, aber auch gelegentlich bei solchen Projekten die Projektsteuerung übernommen hat. Zudem war dieses Statik Büro ja unser eigentlicher Auftraggeber für die Planungsleistungen bei der „NVD“, welche als ARGE, und dabei hatte eben dieses Statik Büro die Leitung dieser ARGE über, einen Gesamtauftrag für die Planungsleistungen bei der „NVD“ hatte.
Die Entscheidung, ob nun die Ausschreibung für die „elektromaschinelle Ausrüstung“ für den Straßenbahntunnel nun aufgehoben werden würde, wurde wieder nicht getroffen. Aber dies wunderte mich längst nicht mehr, ging dies doch schon seit zwei Monaten so dahin, dass es alle zwei Tage hieß, diese würde aufgehoben, dann wurde allerdings doch noch weiterverhandelt, ob nicht doch mit dem bestehenden Angebotsergebnis auch ein Auftrag vergeben wurde. Also, meine Aufstellung über mögliche Einsparungen, Änderungen im Projekt, um doch die budgetierten Zahlen für eine Auftragserteilung zu erreichen, war wieder einmal lediglich ein weiterer Versuch, diesen Vergabeprozess weiter zu führen.
Zu dieser Besprechung, welche übrigens erst tags zuvor kurzfristig angesetzt wurde, mussten nun allerdings bereits auch meine beiden Chefs auch erscheinen. Beziehungsweise wunderte es mich, dass auch ich bei solch einer Besprechung mit dabei sein sollte, ging es doch hierbei offensichtlich hauptsächlich um Themen des Auftrages innerhalb der Planungs ARGE, wo ich sonst, verständlicher Weise, nicht mit dabei war. Diesmal musste aber auch ich dabei sein.
Zu dieser Besprechung, welche kurz nach Mittag, gegen 14:00 Uhr, soviel ich mich erinnern kann, angesetzt war, musste ich allerdings mit meinem eigenen Auto fahren, denn die beiden Chefs hatten zudem auch noch einen weiteren Termin, bei welchem ich nicht mit dabei sein sollte. Ich hatte zudem auch noch andere Themen, welche ich im Zuge meiner Tätigkeit als Projektleiter zu erledigen hatte, daher passte mir dies auch ganz gut. Außerdem gehörten beide meiner Chefs nicht gerade zu jenen Autofahrern, bei welchen ich gerne als Beifahrer mitfuhr.
Als ich in diesem Statik Büro in Linz ankam, waren meine beiden Chefs bereits anwesend und unterhielten sich mit dem Eigentümer dieses Statik Büros, welchen ich selbst zuvor, obwohl ich mittlerweile beinahe jeden Tag mit ihnen zu tun hatte, noch nicht gesehen hatte. Als ich ihn begrüßt hatte und mich mein Chef ihm vorgestellt hatte, bemerkte er, als wäre er darüber verwundert, dass ich nun, nach meiner Zwangspause nach dem Tod meiner Mutter, auch wieder hier sei, ergänzte dann allerdings,
„jetzt kommt aber alles zusammen bei Ihnen!“
Für mich schien es so, als wollte mich der Leiter dieses Statik Büros nur einfach einmal kennenlernen, denn ich wurde regelrecht gemustert, als ich vor ihm stand. Was mir zudem auch ziemlich unangenehm war, denn mittlerweile war ich auch physisch ziemlich gezeichnet und meine Klimaanlage in meinem Auto konnte während der gut einstündigen Fahrt den Innenraum im Auto gar nicht so gut kühlen, als dass ich nicht trotzdem ziemlich verschwitzt an diesem schon heißen Vorsommertag im Büro angekommen war. Aber irgendwie störte mich dies dann doch wieder nicht, denn es war mittlerweile doch mehr als genug, was mir in diesem Büro, für welches ich tätig war, bei diesem Projekt, unter all den anderen Umständen, welche offensichtlich bekannt waren, zumindest der Tod meiner Mutter, die hatte ich ja eben zu hören bekommen, zugemutet wurde. Daher dachte ich mir, dies passt vielleicht auch ganz gut, wenn dies auch solch eine leitende Person bei diesem Projekt mitbekommt.
Nun ging es zu der eigentlichen Besprechung, weshalb wir uns in diesem Büro eingefunden hatten. Dazu verschwanden meine beiden Chefs, der Eigentümer des Statik Büros, dessen Projektleiter für die Projektsteuerung bei der „NVD“ und ich in deren Besprechungsraum. Und dort ging es eigentlich nur um ein Thema, welches schon seit mehreren Wochen im Projekt als Gerücht kursierte – dem Büro, für welches ich tätig war, werden die noch offenen Leistungen für die Bauüberwachung, angesichts der bisherigen Ergebnisse in der Planung entzogen. Nach der Beauftragung des Auftragnehmers sollte also Schluss sein mit den Leistungen für das Büro meiner beiden Chefs, welche dies etwas betrübt zur Kenntnis nehmen mussten und keinerlei Gegenargument dazu vorbringen konnten. Ich musste regelrecht schmunzeln, als ich dies zu hören bekommen habe. Denn, ich dachte mir, wenn die beiden wussten, dass mir bereits Mitte Mai von diesem Statik Büro, welches die Projektsteuerung bei diesem Projekt hatte, angeboten wurde, ich sollte doch die Bauleitung übernehmen und dazu sogar schon Vorschläge ausgearbeitet wurden, eben von diesem Büro, wie dies vertraglich aussehen könnte. Dabei war eine freie Mitarbeit bis zum Ende des Projektes angedacht, oder ich sollte dies als Subauftrag als eigenes Büro übernehmen, habe ich doch die Berechtigung, ein Ingenieurbüro zu führen. Ja sogar der Auftraggeber, beziehungsweise der Projektleiter des Auftraggebers hatte mir bereits Vorschläge unterbreitet, wie ich als freier Mitarbeiter des Auftraggebers, oder als befristeter Angestellter die Bauleitung bei diesem Projekt, anstelle des Büros, für welches ich derzeit noch tätig war, bis zur Fertigstellung des Projektes übernehmen könnte.
Offensichtlich hatte ich bisher bei diesem Projekt zumindest keinen schlechten Eindruck hinterlassen! Wobei ich allerdings nicht recht wusste, ob und wie ich, angesichts meiner damaligen Lage, darauf eingehen sollte. Ein ruhiges und bescheidenen Angestelltenverhältnis in einem Büro, oder in einer Firma, bei der ich solch eine Situation überstehe, ohne mir dabei größere Kopfzerbrechen zu machen, dass wäre mir schon wesentlich lieber gewesen. Daher hatte ich mich eben auch bei VA Tech beworben, wo ich nun, zumindest schon einmal mündlich, eine Zusage hatte, nun dort aufgenommen zu werden. Auch wenn die Verlockung, selbst in diesem Bereich in das Geschäft einzusteigen, natürlich äußerst groß war. Ohne all den anderen, mich mehr als nur belastenden Problemen, hätte ich bei solch einem Angebot wahrscheinlich sofort zugesagt!
(2019-08-23)