Mondsee, Freitag, der 30. Mai 2003:
Mittlerweile hatte ich mich beim „Ausgehen“ am Abend auf Wochentage, meist Donnerstage, oder auf Freitage beschränkt, denn um wirklich Auszugehen, dafür ging es mir, aus meiner Sicht, nicht gerade gut genug. Aber um ständig zu Hause zu sitzen, dafür hatte ich auch wieder die Nerven nicht dazu, denn dabei wäre mir die Decke auf den Kopf gefallen. Daher tat ich meist so, als wäre ich noch nach der Arbeit unterwegs und nun würde nun noch „auf ein Bier“ gehen, auch wenn ich dies ohnedies mittlerweile längst nur mehr alleine tun konnte.
Gelegentlich lies ich mich auch noch in Mondsee blicken, gehörte dies doch für mich zu meiner Heimat, weshalb ich mich von dort auch nicht verdrängen lassen wollte, egal was ich auch sonst erleben musste.
So stand ich auch an diesem Abend wieder einmal im Lokal des „verrückten Wirtes“ in Mondsee, gleich links der Bar, als hätte es mich noch am späteren Abend in dieses Lokal geschneit. Es war vielleicht gerade mal Mitternacht geworden und, eines viel mir schon länger auf, in diesem Lokal war längst nicht mehr so viel los, wie in den Jahren zuvor.
Zudem, ich konnte mich umsehen, so viel ich wollte, diese „Silly“ war weit und breit nicht zu sehen. Daher bestand für mich auch keinerlei Chance, wenigstens dieses Theater endlich zu einem Ende zu bringen. Aber dies war für mich derzeit ohnedies Nebensache, auch wenn dies für andere keinesfalls der Fall war! Für mich schien es nun so, als wäre ihnen selbst dieses Theater zu viel geworden, oder vielleicht auch nur ihr alleine, weshalb sie, so dachte ich zumindest, nun nicht mehr in diesem Lokal arbeiten würde. – Zumindest vorrübergehend.
Aber dann meinte plötzlich Gebhard T., der Barchef, wenn der „verrückte Wirt“ selbst nicht anwesend ist, zu einem seiner Kollegen,
„jetzt können wir sie aber wieder her tun!“
Und deutete dabei mit dem Kopf in meine Richtung, weshalb ich auch gleich annahm, er würde „Silly“ damit meinen. Wobei ich alleine diese Aussage, es sagte dies wörtlich so, für mehr als seltsam empfand, denn so über andere Menschen, über eine Kollegin zu sprechen, das fand ich doch mehr als eigenartig. Denn entweder ich arbeite irgendwo oder eben nicht. Aber jemanden „her tun“, vielleicht zuvor „wegtun“, dass ist keine Art über andere Menschen zu sprechen.
Aber dann fuhr er fort und meinte,
„zu Pfingsten!“
Worauf sein Kollege „Radi“ meinte,
„wie denn!“
Und Gebhard T. fortsetzte,
„wieso? – Pfingsten! Das ist eben offizieller Termin für Personalwechsel! – Dann müssen wir aber aufpassen, sonst hat er gleich wieder alle am Hals wegen ihr“
Nun fragte ich mich nur mehr noch! Hatte dabei aber, so meine ich, berechtigt, den Eindruck, ihre Abwesenheit in diesem Lokal hat mit mir etwas zu tun. Was ich allerdings nicht ganz verstand. Denn ich wollte eigentlich nur endlich einmal direkten Kontakt zu ihr haben, ohne extra hierher gehen zu müssen, dann wäre mit diesem Theater, welches ohnedies lediglich aus Intrigenspielen besteht, endlich vorbei. Und wenn sie nun meinetwegen nicht hier sei, dann wäre die eher kontraproduktiv, als dass es zu einer Lösung beitragen würde.
Irgendwie hatte ich allerdings auch den Eindruck, als würde dieses Theater mit „Silly“ überhaupt nicht zu meiner derzeitigen Aufgabe in meiner Arbeit passen, war ich zwar nur einfacher Projektleiter eines Planungsbüros, welches für diese „Nahverkehrsdrehscheibe“ in Linz tätig ist, hatte ich allerdings dabei, was ich immer wieder zu hören bekam, mit meiner Arbeit und meinem Einsatz in meiner Arbeit das gesamte Projekt „gerettet“, denn zuvor sah es nicht wirklich so aus, als würde von meinen Vorgängern als Projektleiter für die „elektrotechnische und maschinelle Ausstattung“, wie dies bezeichnet wurde, etwas kommen, womit bei diesem Projekt auch weitergearbeitet werden könnte. Nun, mit mir, sah dies dann doch ganz anders aus. Und zu dieser Tätigkeit, zu meiner Aufgabe bei diesem Projekt, passte eben dieses Theater, dieses Intrigenspiel, welches man eigentlich nur vielleicht unter Jugendlichen erwarten würde, überhaupt nicht – was offensichtlich von diversen Personen, auch hier in diesem Lokal, vielleicht auch sogar vom „verrückten Wirt“ selbst, nun auch so gesehen wurde, weshalb es offensichtlich opportuner war, wenn „Silly“ derzeit nicht hier arbeitet und ich sie hier treffen könnte.
Aber, ganz ehrlich gesagt, ich hatte nun den Eindruck, dieser Kreis der „Gesinnungsgenossen“, welcher mir mit diesem Theater um „Silly“ nur schaden wollte, hatte nun offensichtlich einsehen müssen, so leicht würden sie mich nicht „wegbekommen“, wie sie sich dies erhofft hatten. Daher war dies eher mehr eine Zeit des Abwartens, was nun folgen würde. Vielleicht hatten sie, so dachte ich, auch längst mitbekommen, dass ich aus meiner derzeitigen Tätigkeit ohnedies lieber heute als morgen ausscheiden wollte.
Wirklich einen Kopf hatte zu dieser Zeit für diese Theater ohnedies nicht. Daher war es mir auch egal, ob sie nun hier wäre oder nicht. – Oder weshalb sie nun nicht hier wäre und was dies mit mir zu tun haben könnte. Denn, was ich am Abend zuvor mit meiner Mutter erlebt hatte, das berührte mich ohnedies viel mehr! Ich habe eigentlich nur zur Kenntnis genommen, was ich derzeit abseits meiner Arbeit und dem Gesundheitszustand meiner Mutter abgespielt hat.
(2019-08-22)