Salzburg, Mittwoch, der 14. Mai 2003:
Nun war es endlich so weit und ich sollte mein Vorstellungsgespräch bei VA Tech, bei Erich H., mir stellte er sich als Abteilungsleiter in der Gebäudetechnik in der Region West für das Bundesland Salzburg vor, am Nachmittag, um 13:30 Uhr haben. Ich hatte mich schon regelrecht darauf gefreut, denn seit meinem Ausscheiden aus dem Unternehmen ABB in Salzburg war mein größter Wunsch, wieder zurück in diese Branche, dem Anlagenbau für elektrotechnische Anlagen im Bereich der Industrie, zu wechseln. Mittlerweile gab es, von den einst fünf größten Unternehmen der Elektroindustrie, welche in diesem Bereich tätig sind und alle in Salzburg mit Niederlassungen vertreten waren, lediglich nur mehr die VA Tech, die in diesem Bereich in Salzburg ansässig war, alle anderen hatten mittlerweile ihre Niederlassungen in Salzburg in diesem Bereich geschlossen oder wurden gar verkauft, daher war mir dieses Vorstellungsgespräch dann doch äußerst wichtig. Zudem war die VA Tech, welche ursprünglich in diesem Bereich aus zwei Unternehmen bestand, zu einem Unternehmen zusammengefasst, und somit wurden auch aus den einstigen „Nummern 3“ und „5“ der Branche, nun die „Nummer 1“, und dies mit großem Abstand zum Mitbewerb. – Nur um auch diese Bezeichnungen, welche für das „alte System“ in dieser Branche sehr wichtig sind, schon einmal zu erwähnen.
Regelrecht gezeichnet von all dem, was ich in den vergangenen Monaten erlebt habe, seit dem ich dieses Projekt „Nahverkehrsdrehscheibe“ in Linz übernommen habe, aber auch all dem anderen Problemen, welche ich nun, auch noch abseits dieses Theaters um „Silly“, am Hals hatte, meine Mutter lag zum Beispiel seit gut einem halben Jahr, mit Ausnahme der Weihnachts- und Osterwoche, durchgehend im Krankenhaus, wovon ich doch stets damit rechnen musste, die Nachricht zu erhalten, sie wäre nun verstorben, haben mir mehr als zugesetzt. Ich war mittlerweile eigentlich längst am Ende meiner Kräfte.
So kam ich an diesem heißen Frühlingstag, es war schon mehr ein Sommertag, in de Alpenstraße bei VA Tech an, um mit Erich H. mein Vorstellungsgespräch zu führen, von dem ich hoffte, dies müsse etwas werden, denn schließlich hatte ich genau die Erfahrung, welche für den Ausgeschriebenen Job erforderlich war, hatte ich doch von 1990 bis 1995 beim direkten Mitbewerb gearbeitet und dabei ja auch einige Projekte gemeinsam mit dem Vorgängerunternehmen der VA Tech abgewickelt. Dabei hatte ich auch bei einem kleinen Projekt direkt mit Erich H. zu tun, obwohl mir dies, ohne darüber nachzudenken, doch etwas „komisch“ vorkam, was ich damals im Herbst 1994 mit ihm dabei erlebt hatte. Aber dies war ja lange vorüber und ich, und auch er, davon ging ich aus, hatten mittlerweile viel mehr an Erfahrung und Routine im Job.
Das Vorstellungsgespräch, wir saßen dabei im kleinen Besprechungszimmer in der Alpenstraße, gleich gegenüber dem Büro der Konstrukteure, dauerte gerade mal vielleicht eine halbe Stunde. Wir kannten uns ja, dachte ich mir wenigstens, zumindest war dies meinerseits so, daher würde es auch bei solch einem Vorstellungsgespräch kaum viel zu besprechen geben. Sondern lediglich um die Beweggründe für meine Bewerbung, welche ich ihm auch gleich meinerseits erzählt habe – eben mein größter Wunsch, wieder in den Anlagenbau für elektrotechnische Anlagen im Bereich, beziehungsweise in einem Unternehmen der Elektroindustrie zu wechseln. Zudem um die Rahmenbedingungen, wobei ich auch hier nicht besonders große Forderungen stellte, sondern lediglich ein Gehalt, welches dem, meiner Einschätzung nach, entsprechen würde, hätte ich auch seit 1995 durchgängig in einem Unternehmen der Elektroindustrie gearbeitet.
Ich dachte auch, wir wären uns bei diesem Vorstellungsgespräch sehr schnell einig gewesen, zumindest hatte ich den Eindruck. Auch wenn mich eine Bemerkung, welche mir noch lange in Erinnerung blieb, da ich sie auch in den vielen Jahren danach immer wieder gehört hatte, die da lautete,
„wir wären eben in diesem Bereich alle sehr hemdsärmelig!“
War es doch in der Zeit, als ich bei ABB arbeitete, noch so, dass auch viele in der Arbeit mit Anzug und Krawatte umherliefen, zumindest mit Sakko und Krawatte, auch wenn sie keine leitende Funktion im Unternehmen hatten, obwohl dies auch damals bereits längst nicht mehr obligatorisch in der Arbeit war, sondern auch Projektleiter, welche permanent Kontakt zu Kunden hatten, auch zu sehr namhaften und angesehenen Kunden, meist in Alltagskleidung auch zu offiziellen Besprechungen erschienen und hier keinerlei Zwang zu besonderer Kleidung mehr bestand. Aber Erich H. meinte, er müsste die extra beim Bewerbungsgespräch erwähnen, was mich etwas irritierte, denn müsste er doch, an Hand meines Lebenslaufes und der Projekte, welche darin angeführt sind, wissen, mit wem ich es in meiner Arbeit bei ABB zu tun hatte und hier keinerlei Unterschied zu seinen Kundenkontakten bestand. Wir kamen eben beide aus dem gleichen Bereich. Ich, einst von 1990 bis 1995 bei „Nummer 2“, er bei „Nummer 5“ – beim „Fünfer“!
Dass ich aktuell bei einem Projekt mit VA Tech etwas zu tun hatte, dem Krankenhaus in Hallein, welches allerdings ohnedies von den Kollegen aus Klagenfurt betreut wurde, und die VA Tech auch derzeit Bestbieter bei diesem Projekt in Linz, der „Nahverkehrsdrehscheibe“, war und hier die Aufhebung der Ausschreibung drohte, das war eigentlich kein wesentliches Thema bei diesem Gespräch. Lediglich, dass ich wegen dieser maximalen Auslastung meiner Ressourcen bei diesem Projekt in Linz mittlerweile am Ende meiner Kräfte bin und dies daher der Hauptgrund meines Wunsches auf einen Wechsel meines Arbeitsgebers ist, sprachen wir nicht über aktuelle Projekte. Wohl allerdings hatte Erich H. erwähnt, sie hätten aktuell ein größeres Projekt, mit einem Auftragsvolumen von circa 3 Mio. Euro, weshalb sie nun die Stelle eines Projektleiters neu besetzten wollen, für welche ich, falls ich aufgenommen werden würde, vorgesehen wäre! Über welches Projekt es sich dabei handeln würde, das hatte er nicht erwähnt. Wobei ich dies auch nicht als ungewöhnlich angesehen habe, denn dies sind eigentlich Angaben, welche man nur gegenüber Firmenangehörige tätigt, nicht aber gegenüber Außenstehenden, auch wenn sie sich für eine Stelle im Unternehmen bewerben.
Gegen Ende des Vorstellungsgespräches meinte er noch, in ihrem Unternehmen wäre es üblich, dass einem neuen Mitarbeiter bei seinem Eintritt in das Unternehmen ein Mentor zur Seite gestellt wird, welcher den neuen Mitarbeiter das erste halbe Jahr durch den Arbeitsalltag begleitet und, da es sich bei der nun zu besetzenden Stelle um die Position eines Projektleiters gehe, wäre er als Abteilungsleiter der mir zur Seite gestellte Begleiter.
Etwas gab es noch, was ich ihm unbedingt erklären musste, und dies waren die Gründe dafür, warum ich sowohl die Konzession zur Führung eines Gewerbebetriebes im Bereich der Elektroinstallation habe, sowie warum ich in zudem auch die „TB Prüfung“, also die Berechtigung zur Führung eines Ingenieurbüros habe. Aber aus dies konnte ich ihm einfach erklären, bin ich doch gewerberechtlicher Geschäftsführer in diesem kleinen Elektrounternehmen, welches ich nun, zusammen mit meinem Bruder, nach dem Tod meines Vaters, seit Beginn der 1990er Jahre, führe. Aber dies war bisher auch noch nirgendwo ein Problem, hatte ich diese Situation zudem auch bereits in der Zeit, als ich noch für ABB arbeitete.
Auch die „TB Prüfung“ konnte ich ihm ja ganz einfach erklären. Hatte ich doch, nachdem Ende bei ABB, als freier Mitarbeiter in Ingenieurbüros gearbeitet, darunter in einem kleinen Büro in Salzburg, unweit meiner Wohnung, bei welchem der Leiter dieses Büros selbst diese „TB Prüfung“ nicht hatte, sondern dabei darauf angewiesen war, dass diese ihm jemand zum Betrieb dieses Ingenieurbüros zur Verfügung stellte. Zudem lag es ja auch nahe, dass ich, als freier Mitarbeiter in einem Ingenieurbüro auch selbst diese „TB Prüfung“ absolviere, um, im Falle des Falles, auch selbst ein Büro eröffnen zu können, um hier keinerlei rechtliche Schwierigkeiten zu bekommen.
Außerdem, so dachte ich zumindest, würden diese beiden Berechtigungen zur Führung eines Unternehmens im Bereich der Elektrotechnik, sowie die Führung eines Ingenieurbüros, auch in der Ausübung des Berufes in einer Position als Projektleiter in einem anderen Unternehmen als dem Eigenen, von Vorteil sein.
Am Ende des Vorstellungsgespräches ging ich fest davon aus, wieder etwas von VA Tech zu hören, und zwar etwas Positives, worauf ich mich zudem auch besonders freute! Zudem hätte ich mich auch besonders über ein neues, großes Projekt gefreut, welches ich in einer ähnlichen Umgebung, wie ich sie von meiner Zeit bei ABB kannte, leiten könnte. – Wie mir es Erich H. beschrieben hatte!
Ich hätte allerdings mittlerweile ohnedies beinahe jeden Job angenommen, nur um aus diesem Büro, für welches ich nun in Salzburg arbeitete, weggehen zu können. Denn die Arbeit war einfach zu viel. Nicht nur bei diesem Projekt „Nahverkehrsdrehscheibe“, sondern ich hatte ja auch noch vier weitere Projekte, welche ich zu leiten hatte. Und dabei keinerlei Unterstützung aus dem Büro heraus. Ja nicht einmal Rückhalt von den beiden Chefs würde mir gegeben. Sondern hier sah es mehr danach aus, hier wollten die beiden Chefs, beide ja miteinander verschwägert, sich gegenseitig aus dem Unternehmen drängen und nur ja niemanden im Büro hochkommen lassen, welcher auch nur irgendetwas selbst bewältigen konnte und ihnen somit den Stellenwert streitig machen könnte. Die Situation im Büro war einfach völlig verfahren – nicht nur wegen des Projektes „Nahverkehrsdrehscheibe“! Daher galt es für mich, einfach nur mehr weg. Hier besteht keine Zukunft mehr für mich.
Somit war ich hoch erfreut über diesen Verlauf meiner Bewerbung bei VA Tech. Eine andere Alternative hatte sich zudem auch, zumindest bisher, nicht ergeben!
(2019-08-21)